Thomas Godoj & Torsten Bugiel im Interview: "Nur nicht drängeln!"

Veröffentlicht auf von Thomas Godoj LIVE Blog

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Mit über 90 oft ausverkauften Konzerten seit seinem Sieg bei DSDS blicken Thomas Godoj & Band auf ein respektables Ergebnis ihrer LIVE - Performance zurück. Zeit, Bilanz zu ziehen. Im Rahmen der beiden "Hautnah" Konzerte in Recklinghausen am 4. und 5.12.10 trafen sich Thomas Godoj und sein langjähriger Freund und Drummer Torsten Bugiel mit dem Thomas Godoj LIVE Blog zu einem Interview. Sie sprachen über ihre Erfahrungen auf der Bühne, ihre Songs, die Zukunft, ihr Leben als Musiker und das Business.


Wie haben euch die letzten zwei ausverkauften Gigs gefallen?

Torsten: Gestern (4.12.) fand ich´s total geil.

Thomas: Es war einfach nur supergeile Stimmung, also eigentlich auch wie immer, weil wir einfach die besten, tollsten, geilsten Fans haben und die treusten. Und das ist jetzt kein Schmu, das ist einfach so!

Torsten: Das stimmt. Mir geht´s in Recklinghausen immer so ein bißchen so wie in Köln. Klar, ich bin nicht aus Recklinghausen, aber irgendwie sind Recklinghausen und Köln immer Heimspiel. Ich fühl mich hier genauso wohl als würde ich jetzt in Köln spielen. Ist halt immer geil, du weißt genau hier kocht einfach die Hütte. Trotzdem ist es immer wieder überraschend, wenn man wieder auf die Bühne hier geht, denn man weiß, der Laden ist voll, die Leute kommen ja auch wegen Thomas, sie wissen was sie erwartet, aber trotzdem ist das jedesmal echt tierisch. So geht´s mir auf jeden Fall.

Es ist jetzt knapp drei Jahre her seit dem Beginn von DSDS, und Leute reisen immer noch von ganz Deutschland, manche aus Österreich und der Schweiz an, gestern war sogar jemand aus Kroatien da. Der Hype ist vorbei, aber bei euch herrscht trotzdem noch immer totaler Ausnahmezustand. Habt ihr dafür eine Erklärung?

Thomas: Ich denke, dass das auch die Überzeugungsarbeit der letzten Jahre nach der Castinggeschichte ist und vieles davon bis heute bestehen geblieben ist. Natürlich sind da mittlerweile auch ein paar Leute weggeblieben, was aber von vorneherein klar war, dass das auch so sein wird. Vielleicht waren das auch nicht die typischen Konzertgänger, sondern diese Leute haben mich bei DSDS gesehen und haben sich dann einmal eine Karte für ein Konzert gekauft. Das muss man sich jetzt weiter erarbeiten.

Manche sprangen dann vielleicht auch auf das nächste Pferd auf, das sind dann womöglich die DSDS - Leute, die jetzt weg sind.

Thomas: Ich will das aber nicht negativ bewerten. Es ist sicher so, weil manche Leute sich  mehr durch das Fernsehen informieren, vielleicht auch nicht unbedingt das Internet nutzen. Das ist aber nicht schlimm. Dafür gibt es ja auch die einzelnen Konzerte, die man spielen muss wie z. B. Stralsund oder Potsdam, wo man prüft, was da noch geht. Natürlich versucht man auch noch über Medien zu bekommen, was man kriegen kann; was aber auch immer schwierig ist heutzutage. Klar, bei mir speziell ist die Schwierigkeit mit der Vergangenheit, wo man herkommt, denn es wird oft die Schublade „Format DSDS“ aufgemacht, da wird man dann reingeworfen, Schublade zu.

Merkst du diesen Stempel immer noch?

Thomas: Klar. Natürlich ist das vorbehaftet, das merkt man schon immer wieder, aber ich glaube, auch Künstler, die nicht vielleicht aus diesen Formaten kommen, sondern sich selbst zum größten Teil aufgebaut haben, auch die Schwierigkeit haben, bei Radio oder TV Mediensupport zu bekommen. Das ist dann halt ein Glücksspiel.

Habt ihr denn schon Planungen für kommende Gigs?

Thomas: In erster Linie geht es nun darum wieder ein Album zu schreiben. Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass man von den letzten knapp drei Jahren erst mal wieder ein bißchen runterkommen und den Kopf frei kriegen muss, um auch wieder kreativ zu werden. Ein paar Sachen sind jetzt schon im Anmarsch, wir haben zum Beispiel gestern in Recklinghausen auch einen neuen Song angespielt, „Niemandsland“. Der ist noch nicht ganz fertig, d.h. wir haben diesen Song halbfertig den Zuschauern präsentiert.

Torsten: Aber zumindest bekommt man schon einmal einen Eindruck.

Ist das die Richtung, in die es musikalisch bei euch geht?

Thomas: Auch.

Das ist ja ein sehr anspruchsvoller Song.

Thomas: Ich schreibe jetzt mit den üblichen Songwritern, die man sich ins Boot holt, wie z. B. meinen langjährigen Kumpel Christian Bömkes, der immer dabei ist, und der auch immer dabei bleibt, denke ich - hoffe ich, sonst bekommt er einen Einlauf! (lacht)

Hat er den Song geschrieben?

Thomas: Wir haben ihn zusammen geschrieben. Ich habe da Bilder in mir, ein paar Ansätze, er kam auf „Niemandsland“. Ich wollte auch mal solch einen Song präsentieren.

Kannst du etwas über die Message des Songs sagen? Er ist ja sehr gesellschafts- kritisch.

Thomas: Er ist gesellschaftskritisch, ja, eben so, wie die heutige Welt aber auch tickt: „Augen zu und durch, so sieht´s doch aus“. Es geht im Prinzip um Verantwortung den Mitmenschen gegenüber. Dazu hat der Song dann Metaphern aus dem alltäglichen Leben.

Torsten: Es geht auch darum einfach mal Flagge zu zeigen.

Thomas: Genau. Nicht immer Schönes, Friede, Freude, Eierkuchen, was für die Charts.

Torsten: Ja, es muss eben auch beides geben, auch mal Tiefgang.

Thomas: Genau. Es geht darum auch mal zu zeigen wie es wirklich ist. Ich kann auch das andere nachvollziehen. Leute gehen auch auf ein Konzert, um sich genau von diesem Alltag abzulenken und nur Schönes um die Ohren zu kriegen. Das ist auch gut, es gibt viele Künstler derart. Es ist auch nicht so, dass unser Programm nur aus solchen Sachen besteht.

Torsten: Es geht darum beides zu verbinden.

Thomas: Wir haben ja auch schöne Lieder wie „Dächer einer ganzen Stadt“...

Torsten: Partysongs...

Thomas: „Helden gesucht“...

Torsten: Ich denke die Mischung macht´s, damit es auch spannend bleibt. Dass die Leute Spaß und trotzdem was zum Nachdenken haben, sich auch wiederfinden in einigen Sachen und vielleicht auch denken „Oh, ja, das geht mir auch so.“ Wenn ich mich als Konzertgänger sehe, dann erwarte ich diese Mischung auch von einer guten Band, damit es rundum ein gutes Paket ist.

 

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Ihr habt jetzt wieder „Still“ gespielt und „Kerle“, Songs eurer alten Band WiNK. Wie kam es dazu, dass ihr die alten Sachen wieder auspackt? Vor zwei Jahren hatte man eher das Gefühl, man darf euch darauf nicht unbedingt ansprechen. Man dachte, dass ihr damit abgeschlossen habt.

Thomas: Ansprechen schon. Abgeschlossen war dieses Thema noch nie. Ich glaube man musste da einfach die richtige Zeit abwarten.

Torsten: Das hätte ich jetzt auch gesagt. Ich glaube einfach, dass das einen gewissen Abstand brauchte. Direkt nach diesem ganzen (DSDS), das war einfach ein ganz anderes Ding. Ich glaube, wären wir sofort mit den WiNK - Sachen an den Start gekommen, ich weiß nicht, ob das dann so toll funktioniert hätte.

Du meinst, der Übergang wäre zu krass gewesen?

Torsten: Ja, das glaube ich schon. 

Thomas: Ja, aber natürlich lernt man auch ein bißchen dazu. Man lernt ja die Leute kennen, die auch zu den Konzerten kommen, oder man merkt einfach über die Energie des Publikums, wie sie so ticken. Man beobachtet das ja, ich bin auch so ein Beobachter. Man bekommt ständig irgendwelche Feedbacks. Dafür nutzen wir zum Beispiel auch immer wieder diese eine Stunde oder manchmal auch länger nach den Konzerten für Autogramme, um sich mit Leuten danach auch einfach mal auszutauschen, wie sie es empfunden haben.

Das Feedback bekommt ihr auch schon auf der Bühne mit durch den Applaus.

Beide: Ja, Hammer.

Torsten: Logisch. Bei „Still“ war es mega extrem. Und bei „Kerle“ war es ja sogar ähnlich, das hätte ich nicht erwartet muss ich sagen, denn „Kerle“ ist ja schon eher ein speziellerer Song, finde ich.

Thomas: Aber ein lustiger Song. 

Torsten: Natürlich, da muss man nicht drumrum reden, den muss man mit einem Augenzwinkern sehen, keine Frage.

Thomas: Speziell „Kerle“ nimmt man ja jetzt nicht so ernst. Das ist ja eher so leicht ein Machosong (lacht). So als Appell an die Mädels da draussen: „Pass auf!“

Torsten: Aber schön ist ja die Wendung, wer verarscht da wen? Und das ist ja das Coole daran.

 

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Nächstes Thema: Wie sieht es mit deinem Label aus, Thomas? Gibt es die Chance, dass auch die Band Verträge bekommt?

Thomas: Da werden die Karten neu gemischt. Und zur Band: Mit allen, das wird nicht funktionieren, da wird man schon als Einzelkünstler weiterhin hantieren. Es wäre auch totaler Blödsinn jetzt einen Bandnamen nach außen zu bringen, denn dann fängt ja im Prinzip die Marketinggeschichte wieder von vorne an.

Torsten: Das wäre das gleiche als würde man jetzt die Firma AEG in „Affe“ umbenennen.

Thomas, du hast in einem anderen Interview gesagt du wärest gerade auf Produzentensuche. Bist du schon fündig geworden?

Thomas: Nein, ich sehe mich noch um. In der letzten Zeit war ich unterwegs, ich werde auch diesmal bei anderen Produzenten anfragen und überlegen, wo man sich am wohlsten fühlt. Es muss ja auch die Energie der Produzenten da sein, das ist ganz wichtig, damit die das auch gut umsetzen.

Das letzte Album haben zum großen Teil Studiomusiker eingespielt. Gibt es beim 3. Album Chancen, dass ihr das als Band einspielt?

Thomas: Das ist eine schwierige Geschichte. Das wird sich während der Produktionsphase ergeben, ob das so funktioniert. Letztes Mal hatte ich so viel Stress damit, muss ich ehrlich gestehen. Da waren dann wieder viele Leute, die mir ins Ohr gelabert haben, weil das auch eigentlich schon wieder recht fix gehen musste, denn der Termin war festgesetzt und es haben natürlich auch Studiomusiker eingespielt, die nichts anderes machen als das. Die sind aber jetzt keine Bühnenmenschen. Aber ich finde das auch nicht schlimm - im Nachhinein. Letztes Jahr hätte ich brechen können über diese ganzen Diskussionen, dieses Hin und Her. Da hat man dann so richtig schon irgendwann keine Lust mehr gehabt. Dann hat man das so durchgesetzt bekommen, dass auch aus der Band Leute fünf Songs mit eingespielt haben. Die Produktion war eine spezielle Geschichte. Da muss man sehen, wie sich das in der nächsten Zeit entwickelt und wie es dann umgesetzt wird. Meistens ist es so, dass die großen Studios, die eine Produktion übernehmen, ihre eigenen Studiomusiker haben, mit denen sie bereits seit Jahren produzieren. Ein Produzent arbeitet z. B. seit Jahren immer mit demselben Bassisten. Da wird dann immer gesagt, „ja, das könnte der hier besser.“ Auf solche Diskussionen habe ich keine Lust mehr, das ist dann nicht entspannt genug. Bei der letzten Produktion war das nicht ganz so entspannt, weil dir jeder immer was ins Ohr labern wollte. Das nervt dann halt.

Und du kannst jetzt nicht auf den Tisch hauen und sagen, ich will aber mit meiner Band das Album produzieren, d.h. du musst dich dann an Vorgaben halten?

Thomas: Da spielt auch wieder die Zeit ein Rolle, und Kosten sind auch ein Thema. Da muss man abwarten wie sich das entwickelt.

Simon Fuller, der Erfinder der Castingshow „Pop Idol“ / DSDS, ging vor kurzem durch die Medien, da er die Verträge mit Sony gekündigt hat, bei denen die Castingewinner unter Vertrag standen. Dadurch sollen sich sämtliche Verträge geändert haben.

Thomas: Ich war ja bei Columbia Deutschland. Bei mir werden die Karten jetzt sowieso neu gemischt. Denn die Verträge zwischen mir und Columbia basierten auch darauf, dass Columbia natürlich auch mit RTL Verträge hat, denn das ist ja immer so mit den DSDS - Leuten, und davon habe ich mich gelöst.

Dann hast du jetzt praktisch mehr freie Hand als vorher.

Thomas: Ja. Und jetzt baut man sich das von Grund neu auf und die Karten werden wie gesagt neu gemischt.

Ist das denn dann klar, dass das 3. Album auch definitv rauskommt?

Thomas: Für mich ist das klar. (lacht)

Nur wo jetzt noch nicht. Und wann?

Thomas: Ob das jetzt im nächten Jahr Herbst sein wird, darauf möchte ich mich jetzt ehrlich gesagt noch nicht festlegen. Ich sage mir, wenn es fertig wird, dann wird´s fertig.

Du hast damals in einem Clixoom - Interview gesagt, dass ein Label Demobänder bekommt und sich dann immer neu entscheidet, ob das Album produziert wird.

Thomas: Es ist so, wenn man mit Plattenfirmen spricht, dann wollen sie natürlich schon 3 - 4 Songs haben, Demoaufnahmen, dann geht´s um Vorschüsse für die Produktion. Es hängt jetzt also von meinem nächsten Schritt ab. Die sind natürlich auch interessiert, wollen sich das auch anhören und dann muss man darüber sprechen. Ich steuer das jetzt völlig alleine und das ist auch gut so.

Thema Airplay: Ist das im Zeitalter des Internets nicht mittlerweile eine große Blase, dass man meint im Radio gespielt werden zu müssen?

Thomas: Das habe ich abgelegt und lege mich auf solche Sachen nicht mehr fest. Es kann  etwas dabei rumkommen, kann aber das Gegenteil sein und darauf ist nun mal kein Verlass.

Ist es denn heutzutage noch so wichtig im Radio gespielt zu werden?

Thomas: Es ist schon wichtig, aber es gibt ja auch viele Internetradios und darüber kann man auch viel machen. Diese Leute freuen sich auch, wenn jemand zu ihnen persönlich zum Interview erscheint zum Beispiel.

Torsten: Internetradios werden über kurz oder lang immer wichtiger.

Thomas: Ja, oder wenn man zum Beispiel mit der Band eine Aktion startet und ein Unplugged - Konzert spielt, sowas ist auch machbar. Man muss halt überlegen wie man damit umgeht. Das ist jetzt aber noch Zukunftsmelodie, Thema Marketing, darüber denke ich jetzt noch nicht viel nach, nur grob, ich hab das im Hinterkopf. Wichtig ist für mich erst einmal, die neuen Songs, die man hat, vernünftig umzusetzen. Ich hab jetzt einen Pool von zehn Songs, das ist noch nicht viel. Da müssen bestimmt noch einmal zwanzig drauf, damit man sich aus 30 Songs einfach die besten aussucht und das dauert einfach. Es ist ja nicht mehr so, dass ich jetzt eine Schublade aufmache mit fertigen Songs, wie das beim ersten Album noch war, wo alles noch sehr schnell gehen musste. Da hatte der RA - Manager von Columbia gesagt, klar, wir nehmen jetzt deine drei Songs von damals wie „Helden Gesucht“, „Autopilot“ und „Plan A“. „Plan A“ wurde noch im Studio erstellt und die anderen zwei Songs waren noch von damals aus den WiNK - Zeiten. Die drei habe ich noch mit reingebracht, Gott sei Dank, dass das funktioniert hat.

Ansonsten läuft das so: Du wirst da rausgeschleudert, bist jetzt hier der „Oberburner“, „Superstar“, und dann werden Schubladen aufgemacht und dir gesagt „Guck mal, das ist von dem und dem Songwriter, hör dir das mal an“ und dann kannst du daraus nur wählen. Warum? Weil es nicht anders funktioniert und es immer schon so funktioniert hat nach so einer Show. Das ist immer derselbe Schlag. Da werden die Songs rausgesucht, dem Künstler präsentiert. Kann auch sein, dass man den anderen sogar gesagt hat: „Du nimmst die jetzt.“ Bei mir war es wenigstens noch so, dass ich mir die Songs angehört und ausgesucht habe, mit denen ich klar komme, wo für mich ein guter Kompromiss letztendlich dabei war. Ansonsten glaube ich, wenn so unerfahrene Leute, die in dem Business vorher vielleicht noch gar nicht so Fuß gefasst haben oder damit zuvor noch nicht in Verbindung waren, immer alles abnicken nach dem Motto „Ja, mach ich“, da sie denken, die Plattenfirmen wissen es ja besser. Und das ist Blödsinn, denn das ist nicht mehr authentisch, du wirst ja dann „gemacht“, das ist ein Marketingprodukt. Das ist das Typische an einer Castinggeschichte und egal bei welcher. Ich kann das definitiv sagen: Egal bei welcher Castingshow.

Muss man da sehr aufpassen?

Thomas: Naja, nicht aufpassen. Anscheinend hat das ja irgendwas, warum die Leute das vielleicht doch lieben - für ein Jahr. Denn im nächsten Jahr kommt ja der nächste. Also ist da ja doch irgendwas Spannendes dabei, dass es doch funktioniert, allein aus Marketing strategischen Aspekten.

Nochmal zum 3. Album: Wird es wieder deutsch, englisch, polnisch?

Thomas: Also bisher habe ich deutsche Songs.

Zu euch als Band: Habt ihr eine Message? Geht es bei euch auch ein wenig gegen diese übersättigte Spaßgesellschaft? Euer neuer Song „Niemandsland“ ist gesellschaftskritisch, es geht in anderen Songs zum Beispiel auch mal um Kindesmissbrauch, um Depressionen, um Selbstmordattentäter, tiefgehende Themen.

Torsten: Du hast jetzt die WiNK - Songs - Themen aufgezählt.

Das sind Songs, wo sehr viel Tiefe drinsteckt.

Thomas: Ich versuche schon mich damit auseinander zu setzen und versuche auch mich in diese Lage zu versetzen, wie jemand fühlt, der sowas macht. Mir geht es um die Auseinandersetzung mit solchen Themen.

Zu euren Fans: Ihr habt eine regelrechte Bewegung ausgelöst. Es haben sich in Fankreisen enge Freundschaften gefunden, Paare, manche haben zum Teil ihr Leben verändert, sind aktiver geworden, haben sehr viel abgenommen, sind umgezogen, etc. Wenn man sie fragt, dann bekommt man immer nur zwei Worte als Antwort: Thomas Godoj.

Thomas: Manchmal hört man aber auch aus verschiedenen Ecken, dass sich auch Leute nicht mehr trauen auf Konzerte zu gehen, weil sie in irgendwelchen Foren gemobbt werden. Ich bin jetzt nicht derjenige, der da liest, aber man kriegt dann schon auch Feedbacks bei Konzerten, dass es auch Leute gibt, die sich ausgeschlossen fühlen, weil sie da vielleicht gemobbt werden.

Es gibt die Seite, es gibt aber natürlich auch die Seite wie ganz am Anfang. Leute, die sich zusammen getan, sich kennen gelernt haben und sich sonst vielleicht nie kennengelernt hätten, sondern eben erst dadurch. Die Geschichte finde ich sehr gut, das ist super, das freut uns alle sehr.

Torsten: Das ist aber auch glücklicherweise der größere Teil. Wir reden jetzt von ein paar Extremen wie in den Medien auch. Man kriegt die extremen Sachen am schnellsten mit, das ist ja leider nun mal so. Aber ich denke jetzt nicht, dass das stellvertretend für eine ganze Truppe steht. Ich denke, der Großteil ist immer noch positiv.

Thomas: Das freut mich wirklich sehr, wenn Leute sich treffen durch diese ganze Geschichte. Das bedeutet mir verdammt viel und es haut mich immer wieder um. Das mekt man aber auch bei den Konzerten, dass es mir dann auch sehr nahe geht teilweise. Das ist einfach gigantisch und mich freut es dann wirklich, wenn die Leute Spaß haben.

Etwas, was ihr euren Fans da draussen sagen möchtet?

Thomas: Es sind wie gesagt die treusten, besten, geilsten Fans. Egal wo wir immer spielen, die Leute haben immer Spaß, geben uns ein super Feedback. Das ist einfach unbezahlbar. Auch die ganzen Einsätze, die sie bei der letzten Tour gemacht haben mit den Plakaten, diese aufzukleben und sich so in die ganze Geschichte zu involvieren und uns zu unterstützen, das ist einfach unbezahlbar.

Ist euch das mal bewusst geworden, dass das ja was mit euch zu tun haben muss? Ein Phänomen: Viele reisen zum ersten Mal in ihrem Leben quer durch Deutschland auf 30 und mehr Konzerte. Was transportiert ihr da, das die Leute so bewegt? Das schafft nicht jede Band.

Thomas: Das haben aber andere Künstler auch. Ich kann nur sagen, dass es mir sehr viel bedeutet. Es gibt dafür keine Worte. Man freut sich darüber, genießt, und man freut sich auch für die Leute, denen es dabei gut geht. 

Es gibt einen männlichen Fan, einen Psychotherapeuten, der nennt dich einen „Philosophierocker“.

Thomas: Der nennt mich einen Philosophierocker? Manchmal denke ich, ich brauch selber einen - einen Therapeuten (lacht schallend) durch die ganzen Eindrücke.

Torsten: Wer nicht.

Thomas: Ich hab da früher noch nie so drüber nachgedacht. Natürlich hört man das dann auch, dass Leute da so darauf reagieren. Ich finde da keine Worte mehr dafür, weil das einfach schön ist. Schönes Gefühl, mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen.

Jemand anders sagt von dir, du bist „der Mann mit den 1000 Gesichtern“. Im Prinzip wie ein Schauspieler, nur dass es authentisch ist. In jedem Song sind Mimik und Gestik komplett anders. Wie geht das?

Thomas: Ich versuche mich in jedes Wort... (stockt)

Torsten: Naja, da sind die Lampen so heiß und mit der Zeit verformt er sich dann immer ein bißchen. (Schallendes Gelächter)

Thomas: Ne, ich leb eigentlich die Songs. Jedes Wort lebe ich. Ich versuche mich in das Wort, was es dann ausdrücken soll, mit der Melodie hinein zu versetzen. Aber schauspielern könnte ich nicht, glaube ich. Habe ich noch nie versucht. Also wenn ich jetzt irgendwie vor die Kamera müsste: „So, Text haste ja auswendig gelernt, seh mal zu...“

Torsten: Oh, oh, oh, oh...

Thomas: Ich hab auch ehrlich gesagt die Schwierigkeit, die Texte, wenn man die mitgeschrieben hat oder selber geschrieben hat, als Gedicht aufzusagen. Viele Gesangslehrer sagen ja - ich hatte auch mal einen - versuch doch mal die Texte, wenn du sie dir nicht merken kannst, als Gedicht aufzusagen. Das geht gar nicht. Das geht manchmal, nicht immer, aber eigentlich nur in Verbindung mit Musik. Also, wenn man das hört, dann holt man sich die Wörter, dann kommen sie auf einmal angeflogen wie Noten.

Zitat von Westernhagen: „Ein Künstler muss ein Geheimnis sein und Illusionen erzeugen.“ Inwieweit passt das auf euch?

Thomas (knallt den Kopf auf den Tisch): Hast du noch ne andere Frage? (Gelächter)

Torsten: Hat er das gesagt?

Ja. Ok, etwas anderes: Ein Journalist hat einmal über dich gesagt, wenn du zu Grönemeyers Anfangszeiten bekannt geworden wärest, dann hätte der sich warm anziehen müssen.

Thomas: Ein Jounalist? Ich weiß nicht, über andere Künstler mich negativ zu äußern...

Torsten: Ich seh da jetzt auch gar keine Verbindung.

Das war auch nicht negativ gemeint, sondern als Kompliment des Journalisten an dich, dass er euch vergleicht.

Thomas: Ich bin ich, mach meinen Scheiss und gut is!

Torsten: Ich finde Grönemeyer ist ein absolutes Phänomen, keine Frage.

Torsten, nochmal zu dir: Besteht denn nicht doch die Chance, dass du beim 3. Album deinen Part mit einspielen kannst?

Torsten: Das hängt wie gesagt von vielen Faktoren ab und ich weiß noch nicht, ob ich da was einspielen werde. Ich werde ja auch zum Beispiel im Studio in Bonn dauernd gebucht.  Da läuft es genauso. Die wissen halt, dass das funktioniert und dann wenden die sich an mich.

Thomas: Ja, das ist halt auch immer die Beziehung zwischen einem Produzenten und den Musikern.

Torsten: Jetzt nur als Beispiel. Wenn mich jemand fragt: „Hey, kannst du den Job spielen“, egal ob live oder Studio, das sei dahingestellt, „wir brauchen noch einen Bassisten.“ Klar rufe ich dann einen Kumpel von mir an, mit dem ich schon seit zehn Jahren zusammen spiele. Dann probiere ich auch nichts Neues aus, weil man weiß, es funktioniert.

Thomas: Genau. Weil man eingespielt ist.

Torsten: Genau, das ist nichts Böses, das ist halt einfach so, man weiß eben, der ist professionell.

Thomas: Es geht dann letztendlich auch nur um das Produkt, dass es gut rüberkommt. Live ist das eine andere Geschichte, und da stehen wir dann ja auch wieder gemeinsam auf der Bühne. Ich könnte mit den Studiomusikern nicht dasselbe Gefühl auf der Bühne vermitteln wie mit Torsten, wenn ich mit ihm auf der Bühne stehe. Wir kennen uns schon lange und wir haben auch klein zusammen angefangen.

Torsten, du hast ja unglaublich viele Projeke am Laufen: Highersense, Gates of Goldrain, bei den Analogue Birds bist du teilweise mit drin, du spielst bei Thomas, wie funktioniert das alles?

Torsten: Das kann nur deswegen funktionieren, weil das fast alles Aushilfsjobs sind. Bei „Highersense“ z. B. ist es was anderes, weil das ein Kumpel ist, bei dem ich jetzt dann auch live spielen werde. Allerdings ist es, wie in jedem Job eigentlich, eben immer auch eine Prioritätsfrage. Die Priorität ist bei mir ganz klar gesetzt. Dann ist eben auch die Frage, was läuft jetzt gerade, wieviel passiert jetzt gerade mit Thomas, habe ich Zeit für andere Sachen, habe ich keine Zeit?

Also ist deine Priorität bei Thomas?

Torsten: Ja, klar. Ich muss halt auch vom Schlagzeug spielen leben und muss gucken, dass ich auch bestehen bleibe. Das ist ja auch ok, das hält die ganze Sache ja auch spannend. Bei mir setzt sich das zusammen aus Studiojobs und Livejobs. Wenn man einen Hauptfokus hat und als Aushilfe spielt, dann verpflichtet man sich ja bei den Aushilfsjobs nicht für irgendwas, d.h. du spielst dann 2-3 Shows oder so, oder eine vielleicht, wenn der Kollege nur kurzzeitig krank ist oder was auch immer, dann ist man aber nicht dazu verpflichtet, dieser Band hundert Prozent zu geben. Ich behaupte mal, kein Musiker könnte nebeneinander vier Bands gleichzeitig gut führen, weil jede Band verlangt ja auch, dass du hundert Prozent gibst. Das kann nicht funktionieren. Erstens hat man soviel Energie gar nicht, und zweitens, wie willst du das machen? Du kannst nicht überall hundert Prozent geben, das wird niemals funktionieren. Deshalb muss man irgendwie gucken. Ich finde das eigentlich eine ganz glückliche Lage. Diese Aushilfssachen mache ich total gerne, weil einem das ganz viel Freiheit lässt.

Thomas: Aber weil es ja auch dein Leben ist, dein Beruf. 

Torsten: Ja, das ist mein Leben, mein Beruf.

Thomas: Das ist eigentlich bei jedem Berufsmusiker so, man spielt mal hier, mal da.

 

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Torsten: Man hat so seine Homebase, denn einen Fokus braucht man schon, sonst verfährst du dich total. Es ist auch im seltensten Fall so, dass ein Musiker wirklich von einem Projekt existieren kann, das geht eigentlich gar nicht, das funktioniert nicht. Es sei denn, du bist jetzt wirklich in einer Band wie REM.

Thomas: Und selbst da nicht, weil eben jeder noch irgendwelche Sideprojekte hat.

Torsten: Es ist halt immer die Frage, ob es wirklich eine „Band“ ist. Und selbst da ist es oft schwierig.

Thomas: Bestes Beispiel ist auch bei Selig. Da ist der Gitarrist, der Neander, das ist auch ein typischer Studiogitarrist. Er schreibt viel mit anderen Produzenten zusammen für andere Künstler und spielt dann aber auch. Zum Beispiel nach zehn Jahren kam dann plötzlich wieder Selig. Aber der hat seine Jobs gemacht, das ist eigentlich normal.

Torsten: Vollkommen normal. Davon abgesehen muss man auch dafür danken, dass man überhaupt von der Musik leben kann.

Thomas: Das ist sehr selten.

Das erfordert auch sehr viel Mut.

Torsten: Das Gute ist, ich muss halt keinen Nebenjob machen. Ich meine, die Zeiten kennen wir auch. In der Lage bin ich momentan glücklicherweise, dass ich von der Musik existieren kann und dafür bin ich sehr dankbar.

Dann wünsche ich euch, dass es so weitergeht und am besten noch besser wird.

Torsten: Ja, ich uns auch. (Lachen)

Thomas: Ich geb von meiner Seite aus auch Gas, wir arbeiten dran. Nur nicht drängeln, denn mit drängeln funktioniert gar nichts. Das ist auch etwas, was viele Leute vielleicht gar nicht wissen. Wenn man so in einer Castingshow war, dann fährst du praktisch 300 wie in einem Ferrrari, einem Rennwagen. Und irgendwann musst du auch einfach mal die Bremse ziehen, weil du kannst ja nicht durchgehend powern, das geht einfach nicht. Man muss auch mal wieder von dem Ganzen runterkommen, reflektieren. Das heißt aber nicht, dass ich dann anfange Däumchen zu drehen und mich auf meinen Arsch setze, nichts tun und genießen oder Urlaub machen, das ist nicht so. Zur Zeit baue ich mir Sachen auf, persönliche Sachen, mit denen ich am besten arbeiten kann. Und es geht ja auch weiter. Das ist ja kein Stillstand, denn da passiert was. Klar wird das nicht unbedingt nach außen getragen, und ich hab jetzt auch nicht immer die Kamera von RTL hinter mir, die hinter mir herläuft und alles wissen will.

Du postest ja jetzt auch ab und zu bei Facebook, da freuen sich die Fans.

Thomas: Ja. Es passiert ja was und es bleibt weiterhin für mich spannend, für uns alle, denke ich.

Torsten: Und um den Bogen zu schließen zu Grönemeyer: Den sieht man auch nicht jeden Tag im Fernsehen.

Thomas: Andere Künstler auch nicht.

Torsten: Und auf einmal sind sie wieder da, zack, neue Tour. Trotzdem arbeiten die auch die ganze Zeit.

Viele schließen sich auch wochenlang ein, z. B Schriftsteller.

Torsten: Ja, oder monatelang.

Thomas: Manche auch ein paar Jahre.

Torsten: Es ist auch klar, dass eine Band durchaus auch oft zwei Jahre an einem Album bastelt. Klar, man muss sich das auch leisten können.

Thomas: Das ist heute eigentlich schon fast unmöglich.

Torsten: Ja, das ist eigentlich fast unmöglich, aber das gibt es ja auch. Die schließen sich dann ein Jahr weg und sind dann wieder da. Aber dafür muss man auch schon einen Stand haben, dass man sich das überhaupt leisten kann, das zu tun. Überbrück mal ein Jahr. Man muss ja auch weiter den Kühlschrank füllen.

Thomas: Also, es passiert auf jeden Fall was.

Vielen Dank für dieses Interview!

 

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Infos zu Thomas Godoj hier im Blog und:

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Infos zu Torsten Bugiel:

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Infos zu Christian Bömkes:

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Micky Gawenat 12/14/2010 09:14


Wirklich ein klasse Interview! Aktuelle Info´s, mal richtig gute Fragen und offene, detaillierte Antworten. Kein verkrampftes Frage/Antwortspiel mangels tatsächlichem Intersses. Das ist informativ,
macht gleichzeitig Spaß zu lesen UND läßt uns doch sehr zuversichtlich in die Zukunft schauen. Wir sind weiterhin an eurer Seite,...."auf dem Weg zu unvergesslichen Zeiten" und sacht Bescheid, wir
kleben auch in Zukunft Plakate oder....was es auch immer zu tun gilt, dass ist ein Versprechen: "Walking with you!" Ansonsten hoffen wir natürlich, dass es nie nicht einen "Einlauf" geben muß für
Christian und noch ein gut gemeinter Ratschlag an Mister Godoj: "Schlag den Kopf an die Wand..." oder auch Köppe auf Tischkanten knallen, kommt nicht sooo gut. Vor allem wenn es der Eigene ist. Wär
doch sehr schade drum, wenn da mal was kaputt ginge. Lieben Gruß und *D*A*N*K*E*S*C*H*Ö*Ö*Ö*N* Micky


tanja67 12/13/2010 23:50


Vielen Dank Scorpi für das tolle IV


Birgit 12/13/2010 22:19


Tolles Interview. es macht mir sooo viel Zuversicht, daß es weitergeht, und niemand mehr abspringt !!!


Karin 12/13/2010 18:18


Vielen herzlichen Dank für dieses ausführliche Gespräch. Ihr seid einfach die BESTEN.
Macht weiter so.