Thomas Godoj: "Richtung G" - Stimmen zum Album (1)

Veröffentlicht auf von Thomas Godoj LIVE Blog





So sehr man sich auch Mühe gibt, man kann sich nicht wirklich "kritisch" mit diesem Album auseinandersetzen. Der Moderator von Radio Berlin sagte gestern beim Unplugged - Konzert, mit solcher Konkurrenz hätten sich Westernhagen und Peter Maffay vor 20 Jahren warm anziehen müssen. Wie wahr. Dieses Album ist vielschichtiger als es Westernhagen jemals war. Westernhagen kommt bei weitem nicht an Thomas Godoj & Band heran.

Da ist dieses rein stimmbetonte und fast spirituelle Lied "Walking With You", das einen aus dieser Welt herausschießt und aus den Angeln hebt. Das man vor seinem geistigen Auge bereits in einer herzzerreissenden Liebesszene in einem Hollywoodfilm sieht.

Da ist "Notizen", das einen zum Lachen bringt "... ich such den Zettel mit Notizen, mit allen deinen Wünschen ... wie war das noch gleich?" und einen gleichzeitig nicht still sitzen lässt.

Bei "Alles was nicht existiert" muss man nur die Augen schließen, während man durch die Bude rockt, weil man meint, man wäre auf einem megageilen Rockkonzert, denn die Studioversion hat den LIVE - Charakter perfekt eingefangen. Erst das blöde Regal bringt einen unsanft in die Wirklichkeit zurück.

Da ist "Uhr ohne Stunden" mit einer Poesie, die ihresgleichen sucht: "Zeit steht still, eigentlich, weil sie will, keine Sekunden... Uhr ohne Stunden..." - "Sag mir wie weit ist weg, sag mir wie nah ist dran, reicht die Zeit?" - "Wir sind es nur nicht mehr gewohnt, dass Zeit sich lohnt"...

Da ist dieser wunderbare polnische Song, eine regelrechte Hymne. Da ist "Cocoon", das Robbie Williams in seinen besten Zeiten Konkurrenz macht. Da ist "Zehn-Meter-Brett", ein Anstoß an die Menschen sich etwas zu trauen.

Und neben all den anderen faszinierenden Stücken findet sich auf dem Album die einzigartige Perle "Winterkinder". Ein Diamant, keine Perle. Ein Song, der seelischen, körperlichen, sexuellen Mißbrauch thematisiert.

Ein wahrhaft vielschichtiges Album, kein Song wie der andere mit einer Stimme, auf die die Welt gewartet hat. Umgeben von einer Band, die musikalisch perfekt ist. Wer sie jemals LIVE erlebt hat, der wird das bezeugen.

Man kann nur hoffen, dass das Album, vor allem aber die Band - wenn auch teilweise nun in anderer Formation - jetzt endlich DIE Anerkennung findet, die sie verdient. Verdient hat sie es seit 10 Jahren, die sie bereits Musik macht. Ein fettes Dankeschön für diesen "neuen" Stern am deutschen Rockhimmel.
(Fortsetzung folgt)
Scorpi

Veröffentlicht in RICHTUNG G 2009-2010

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