Thomas Godoj LIVE auf der Gamescom in Köln - Nicht nur ein flüchtiger Augenblick...

Veröffentlicht auf von Thomas Godoj LIVE Blog

 

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Diese Angst, dass die Träume sich verflüchtigen…
…vor der Bedeutungslosigkeit eines jeden flüchtigen Augenblicks des Glücks eines Süchtigen… (Flüchtig)

Ja, wir sind alle süchtig und so besuchen wir immer wieder Konzerte des Objekts unserer Begierde. Wir warten auf unsere Droge, wir stehen an und geben uns dem Entzug hin und dann dem Kick, wenn wir endlich wieder abrocken können und uns wiegen im Vollthoma unserer Verblendung. Manche werden widersprechen, sie bleiben immer nüchtern und beurteilen ganz objektiv, sie kommen jederzeit davon los, nur bitte nicht jetzt. Andere tragen ihre Verstrahlung mit leuchtenden Augen und roten Wangen vor sich her, einfach immer weiter, Vollnarkose, das passt schon. Manche nehmen es leicht andere eher schwer.

Wir alle können nur hoffen, wir alle können nicht wirklich was tun, wir fürchten uns und wir tauchen ein in jeden Ton, wir absorbieren ihn, wir sezieren ihn, jedes Wort, jede Muskelregung. Es sind alles Splitter, die zusammengesetzt ein Muster ergeben. Welches Muster, darin sind wir uns nicht einig. Es soll stimmig sein das Muster, es soll Bestand haben und es soll uns und andere überzeugen können.
Wie aber war mein Muster beschaffen gestern am Friesenplatz, welche Splitter ergeben welches Bild an diesem wunderschönen Spätsommertag in Köln?

Um mir diese Frage zu beantworten gehe ich fast 3 Monate zurück, eine andere Metropole am Fluss, Frankfurt am Main, das erste Open-Air des Sommers und mein allererstes Open-Air-Konzert mit Thomas und den Jungs. Die erste Sommerbrise fuhr durch sein Haar und die Luft vibrierte voller Hoffnung und noch fast ungetrübter Zuversicht. Gerade erst schien die Tour vorbei und der Sommer mit einigen Liveterminen lag noch endlos vor uns. „Wir arbeiten am neuen Album, im Herbst dann…“. Das reichte uns, das reichte ihm, fast sorglos leicht und schwebend gaben wir uns der einzigartigen Atmosphäre an der Flussbühne hin. Die Skyline der Banken stolz und jeder Wirtschaftskrise trotzend im Hintergrund.

Samstag 22.08.09 Köln, Friesenplatz. Endlich gegen 17.30 Uhr spuckt mich die U-Bahn am Friesenplatz bei strahlendem Sonnenschein zwischen Kneipen, Geschäften, Büdchen und Restaurants aus. Ich sehe die Bühne von hinten mitten auf dem abgesperrten Ring stehen. Ich gelange ohne Probleme mitten rein in die Thomatenwelt, die schon gut beim Feiern war, lange bevor ich mich von familiären Pflichten befreien konnte. Und ,ja, ich genieße es, ich begrüße und umarme, lache, entscheide mich ein Kölsch mit zutrinken und bereue es nicht oder erst viel später.

Aber es macht Spaß zu feiern, die Security ist unglaublich freundlich und gelassen, und schmeißt mit Komplimenten um sich, mit Bierflasche rein und raus gehen gar kein Problem. Zur Toilette pilgere ich des Öfteren, es ist ein lockeres Kommen und Gehen zwischen den Reihen und nach Hinten, sehr angenehm und entspannt.

Die erste Vorband Mars wird schon freundlich unterstützt und macht gute Laune durch groovigen Sound, der Sänger ist auch nicht unattraktiv und es gibt einen koketten Blickwechsel als er in unsere Ecke kommt, das macht Spaß.

Irgendwann ist dann meine nichtthomatisierte Freundin vor Ort und nach anfänglichen Berührungsängsten wird die Thomatengemeinde scheinbar für harmlos befunden. Es wird eine lockere Stehparty, mit Sylvester und ihrer ebenfalls harmlosen Musik im Hintergrund. Wo sind denn all die Stylingberater, wenn man sie mal braucht, fragt man sich da als Geschlechtsgenossin mitleidig, die sonst niedliche Frontfrau betrachtend.

Später macht Jennifer Kae schon optisch mehr her, sie hat eine tolle Stimme und ist auch viel munterer dabei auf der Bühne zu performen. Meine Freundin, die eher solche Musik mag, ist deutlich fasziniert, dafür hab ich noch bisschen Zeit für weiteren Thomatenflachs, denn mich reißt es nicht wirklich von Hocker. Ich stehe nämlich mehr auf Rocker (hihi das reimt sich) im Feinripp, die auch mal auf den Boden spucken, wenn es zum Song passt oder mal den einen oder andere Kraftausdruck bringen, solange es nicht eine Dauerattitüde ist, sondern einfach nur authentische Regung eines nun mal für mich überwiegend ziemlich sympathischen Kerls. Aber Geschmäcker sind ja nun mal bekanntermaßen…gähn. Aber noch steht es nicht auf der Bühne, unser Objekt der Begierde.

Irgendwie geht es dann aber doch sehr schnell los, das Intro fährt mir jedoch nicht durch Mark und Bein und das ist sonst immer so ein Zeichen dafür wie ein Konzert für mich werden wird. Ich freu mich aber einfach, die Jungs alle wiederzusehen. Seit Hamm sind viele Wochen vergangen und es ist für mich recht viel passiert seitdem. Thomas erscheint in einem sehr kleidsamen weißen Hemd, das offen ist und den Feinripp darunter hervor scheinen lässt. Mir wäre tatsächlich das Hemd ohne Feinripp lieber gewesen, allerdings auch gerne offen.

Wie auch immer, er rockt wie üblich los und irgendwie sind „Morning Sun“ und „NTOO“ sehr schnell vorbei und es erklingt „Love ist you“. Ach ja, da war doch mal das Warten auf „Plan A!“ vor einem Jahr und nun sind wir wieder am Warten, diesmal auf „Richtung G“. Und an diesem Abend warten wir auch vergeblich, komisch ich bin nicht enttäuscht als nicht Neues zu hören ist. Habe damit aber auch nicht gerechnet. Gut Ding braucht eben Weile und es folgen ja in den nächsten beiden Wochen noch Liveauftritte. Woran es liegen mag, wir können nur spekulieren, es ist einfach auf gut Deutsch gesagt so gar nicht „our cup of tea“, finde ich.

Nachdem Song „Plan A“ war es das aber erst mal mit Liedern vom ersten Album. Urke ohne Einleitung ist komisch und haut mich nicht wirklich um, der Song wirkt so viel flacher, da sieht man wieviel er mit Showeffekten arbeitet, mit Gestik und Ritualen. Daniel darf sich dafür beim unplugged Intro austoben, er macht das sehr schön, aber ehrlich gesagt fehlt mir der Didge-Tom mit seinem Horn doch sehr und man merkt, was für eine besondere Stimmung das Instrument mit dieser ganz eigenen Klangfarbe erzeugen kann.

„Für Immer -unplugged“ bleibt für mich ein Highlight des Programms und auch wenn ich den Song mit Strom genial finde, ich liebe die Akustikgitarrenarrangements, die René da hinein gezaubert hat und die dem Song die fast einzige schmachtende Note des Abends verleihen.

Ja, ich mag es rockig und ruhig was härter, mag es auch deutschsprachig und ernsthaft, aber so ein bisschen Romantik an so einem lauen Sommerabend hat mir doch gefehlt und die Brise, ja wo war denn nur die Sommerbrise?

„Autopilot“ ist schön doch zu kurz, die Leute begannen gerade richtig mitzugehen, da war der Song auch schon wieder vorbei. „Helden gesucht“ schafft dann das Stimmungshoch und es ist Party auf dem Friesenplatz. Leider drängt die Zeit und „Suspicious Minds“ ist wieder der Rausschmeißer, der Hüftschwung dagegen wieder ein Hingucker.

Hab ich doch fast vergessen, „Alles, was nicht existiert“ zu erwähnen, Schande über mich oder besser noch "kick my ass", dabei liebe ich den Song.

Die Zugabe ist „Explosion“ und das tut in seiner emotionalen Intensität, nachdem „LZS“ von mir schmerzlich vermisst wurde, richtig gut.

Ich bin zufrieden. Zwischendrin haben die verrückten Mädels vor mir und ich eifrig geschmachtet und die Fotos, die geschossen werden, sehen schon im Display sensationell sexy aus. Wir jubeln und singen immer routiniert mit und es macht Spaß wie immer richtig mitzurocken.

Meine Freundin und ein dazu gestoßener Freund sind auch zufrieden, wobei sie wie gesagt eben eher nicht der Rockfan ist und dabei bleibt es. Er habe eine schöne Stimme, schöne Augen und einige Lieder klangen auch ganz schön, mehr Lob gibt es nicht. Naja, von 3 mitgeschleppten Freundinnen sind 2 ziemlich begeistert und eine nicht so wirklich, aber auch nicht völlig negativ, kein schlechter Schnitt, finde ich.

Der Rest des Abends vergeht dann mit Diskussionen über Zukunftsangst und der üblichen postkonzertalen Euphorie. Ehrlich gesagt haben die kritischen Stimme wie immer irgendwie ein bisschen Recht, aber direkt nach dem Konzert mag ich sie halt nicht so gerne hören, sondern lieber sanft wieder runter kommen, denn ein Höhenflug bleibt es für mich immer, wenn ich auf einem Thomas Godoj-Konzert bin. Deswegen ist es ja auch schon mein elftes Konzert und deswegen habe ich auch Vergleiche, die Außenstehende nicht haben. Deswegen muss ich aber eben nicht erst mal alles zerrupfen und sezieren, finde ich.

In Richtig G gehe ich zwar mit, aber nicht Richtung Backstage, bleib bei meiner Freundin und hinterher bei den Grüppchen, die sich hier und da so bilden. René ist auch mal dabei, aber das fällt nicht auf und das ist gut so. Meine vielgesuchte Schweizer Thomate taucht auch noch auf und wir haben kurz Zeit uns auszutauschen, aber plötzlich merke ich, dass ich eben doch kein Bier mehr gewohnt bin und bin dann mal eben weg, leider. Man soll gehen, wenn es am schönsten ist.

Wer aber definitiv für mich nie weg sein wird und auch nicht gehen soll, wenn es am schönsten ist, ist er, der Mann mit dem viel zu großen Feinrippunterhemd. Ich bin eigentlich jemand, der einerseits ängstlich ist und anderseits dazu neigt sich in unkontrollierbare Abenteuer zu stürzen. Wer keine Angst hat, ist größenwahnsinnig, also lasst uns weiter zusammen zittern, hoffen und glauben, dass unsere Droge immer weiter existieren wird, für uns greifbar und zugänglich, fern vom Betäubungsmittelgesetz, frei zugänglich im CD-Handel erhältlich. Bei Fragen und Nebenwirkungen erschlagen sie bitte nicht den Autor, sondern überlegen sie einfach vorher was sie sich so in den Kopf tun.


Was haben diese dahin geworfenen Fragmente eines sehr netten Spätsommerabends im August in Köln mit einem zauberhaften Frühsommerabend in Frankfurt oder einem unglaublich gigantischen magischen Sommerabend in Hamm zu tun? Eigentlich nur das, es waren Städte in Deutschland, es war Sommer und es spielte die gleiche Band. Unterschiedlich sind dabei unser aller Emotionen, unsere Situation, unser Leben, alles kann sich in ein paar Wochen verändern. Eins ändert sich aber bei mir nicht, egal wie verzaubert und verstrahlt ich nach einem Konzert bin oder auch mal weniger bin. Und wieder das gleiche Zitat wie beim letzten Bericht. Ich wiederhol mich, ach sei’s drum, es ändert sich eben nicht, dass ich zu Dir (Euch) stehe für immer!

PS: Schön die Zettel mit dem Zitat: Richtung G, wir gehen mit! Ich hoffe, gestern Abend sind noch ein paar hinzugekommen, die mitgehen, ich fand es sah verdammt noch mal so aus, wenn ich mich so umschaute. Und darauf kommt es an, und das wissen Thomas und die Band genau, sich zu präsentieren und mit einer professionellen Show zu überzeugen. Ich denke das haben sie gelernt in den letzten Sommermonaten, vor nicht zahlendem, nicht thomatisiertem Publikum einen richtig guten Gig hinzulegen.
Deshalb, und da ändert auch eine noch nicht vorgestellte Single nichts dran, glaube ich daran, dass wir keine Angst haben müssen vor der Einsamkeit der Nüchternen.

Wir sind nicht mehr einsam, wir sind vielleicht ein bisschen anders als andere Menschen, aber wir sind definitiv nicht einsam und bestimmt auch nicht besonders nüchtern, wir sind eben Fans von Thomas Godoj & Band und das finde ich gut so.

Salma

 

                                                                                             

Veröffentlicht in SOMMERGIGS 2009

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Anja Glanz 08/28/2009 22:01

Sooo wundervoll geschrieben. Mir aus der Seele!!
Danke für diesen tollen Bericht.
Und danke an Tom , der mir schon so viel gegeben hat, auf all seinen Konzerten die ich bis jetzt miterleben durfte.
Und auch ich gehe mit! in Richtung G