Thomas Godoj LIVE: Godojanische Gewitterfront in Regenhausen

Veröffentlicht auf von Thomas Godoj LIVE Blogger


Nach Aussen funktioniere ich bereits wieder ganz normal, aber in mir singt eine kleine Stimme einen immer währenden Kanon: „Wir sind Godoj, Godoj, Godoj, Godoj, Godoj.“
Gerade sind wir zurück aus Rechberghausen – besser gesagt: Regenhausen - in Zürich angekommen. Und darum singt die Stimme auch abwechselnd auf die gleiche Melodie: „wir sind so nass, so nass, so nass, so nass, so nass.“ Und „Wir wollen rein, Wir wollen rein, Wir wollen rein!“

Wir, das ist ein Rudel zusammengedrängter, ausdauernder und regendurchtränkter Thomaten, die trotz Regen vor dem Tor ausharren an dem Zettel hängen „Eingang Konzert Thomas Godoj“. Das gibt Hoffnung, das ist das Ziel – eine Weile lang. Regen strömt in den Nacken und von tropfenden Schirmen auf Jeans und Schuhe. Einige mit Regenjacken oder Pellerinen, andere mit Handtüchern, Müllsäcken und Plastiktüten notdürftig geschützt. Das Plappern und Lachen ist leiser geworden, trotzig wird „Helden gesucht, die unter Regen was vertragen“ dem Wetter entgegen geschmettert. Bald dürfen wir rein, sind wir sicher

Früh am Morgen sind wir zu viert aus der Schweiz aufgebrochen, der Himmel strahlend schön – sommerlich, ausgerüstet mit Insektenrepellent und Sonnencreme, Fächer und Erfrischungstüchern.
Nach lustiger Fahrt haben wir uns frohgemut in unseren SwissThomatoes Shirts auf zum Gelände gemacht. 13 Uhr vor Ort – vielleicht 15 Thomaten trotzen bereits der Sonne, man befürchtet eher Sonnenbrand als zu überlegen, wie gut der Regen von der eingecremeten Haut abperlen wird…
Nach einem kurzen Imbiss und Vorbesichtigung des Zeltes (gestuhlt und ca 8 Quadratmeter Bühne, vollbesetzt mit applaudierenden, älteren Semstern und def. anders gearteter Musik ) sind wir bereit, der Sonne bis auf Weiteres zu trotzen. Wehe, das gibt einen Sonnenbrand!

Aber wir wissen: Dieser Tag, dieses Konzert wird einfach genial werden: Unser erstes Sommerkonzert, Open Air und Sonnenschein – wären da nicht vereinzelt dicke schwarze Wolken.

Wir fliehen mit einem Häufchen weiterer Thomaten vor einem kurzen Schauer zum Spielplatz im Gartenschaugelände – denken wir. Und müssen uns bald fragen, ob wir für das hernieder prasselnde Gewitter mit Blitz und dröhnendem Donner über uns einen geeigneten Unterstand gewählt haben. Immerhin bleiben wir trocken. Die Unverwegten die (teils mit Schirmen) nahe des Eingangstors an eine Hauswand gedrückt sind, erleben bereits jetzt, wie es weitergehen wird („Wir sind so nass, so nass so nass : )

Gegen 15 Uhr scheint es sicher genug, dem Nieselregen zu trotzen, der wird sich schliesslich bald verziehen! Ein paar blaue Müllsäcke aus dem Zelt als Regenschutz erbettelt tun ein übrigens uns wieder froh zu stimmen. Rene ist – bejubelt – bereits angekommen. Viel später in einem kleinen Bus die anderen (Thomas ganz hinten im Bus, fast versteckt). Alles klar also, Soundcheck und nix wie rein – denken wir.
Von den Sicherheitskräften wurde uns der Einlass auf 19 Uhr versprochen (obwohl auf den Karten 19:30 steht) – ein Lichtblick bei noch immer prasselndem Regen. Wir sehen aus – und fühlen uns – wie ertränkte, nasse Ratten. Der Regen tropft von Nasen, Fingerspitzen, die aussehen, als ob wir zu lange in der Badewanne gelegen wären. Viele stehen seit zwei Stunden in einer Wasserpfütze, es regnet durchgehend, manchmal prasselt es. Manche haben gar keinen Regenschutz, aber auch die Regenjacken sind durchweicht.
Vom Zelt her ist der Soundcheck zu hören.
Da alle jeden Moment den Einlass erwarten, drängen wir uns wie nasse Sardinen in Schieflage aneinander. Der Druck von hinten und von der Seite ist unglaublich!
„Ich will heim“ sagt sinnan „Aber ich kann mich nicht mal umdrehen!“
„Ich habe langsam kalt“, sagt Anina, die mit Sandalen in einer Pfütze steht.
„Ich werde zu alt für so was“, denke ich. „Das ist für lange Zeit mein letztes Konzert!“
Fabienne sagt nichts. Ihr Gesicht ist unter einem tropfenden Zipfel des blauen Müllsacks kaum zu sehen.

Und dann hat wenigstens Petrus ein Einsehen: Der Regen hört auf. Nass aber wieder mit erhobenem Kopf stehen wir vor dem Tor und fordern trotz andauerndem Soundcheck (Jungs, was treibt ihr denn nur???) Einlass! „Wir wollen Rein, Wir wollen rein“ – abwechselnd mit „Helden-gesucht“ und als 19:30 und 20 Uhr!!!!!! verstreichen, praktisch das ganze Arsenal godojscher Songs von denen wir die Texte zusammen bringen! (Ha, sagt nie wieder was über Texthänger! Richtig gut sitzt bei der Masse eigentlich nur Helden gesucht Und das nach x-mal jetzt noch besser als vorher!“

Beim Einlass dann das unvermeidliche Gedränge – und wir sind drin, unglaublicherweise vorne links, direkt vor Sepp und mit gutem Blick quer rüber auf die ganze Bühne.
Das Sortieren nasser Kleider beginnt, was ist zu retten, um das Konzert zu überstehen und wieder warm zu werden?
Die „Swiss Thomatoes T-Shirts“ müssen runter: zu nass! Die „Vernetzt-Shirts“ sind ebenfalls nass geworden, finden aber Platz vorne über der Absperrung – und zaubern dort Sepp später ein Grinsen ins Gesicht
Gegen die nassen Schuhe und Hosen hilft nur Hüpfen zum Aufwärmen.
Wir stehen – ähnlich wie in der Schlange in bunter Mischung mit sehr netten Thomaten aus Flotte und IOFF und Grünem Salon und feiern, dass wir Regen und Warten überstanden haben und dann folgt ein so geniales Konzert, dass Regen und alle Vorsätze („mein letztes Konzert für lange“) schnell vergessen sind! Und wir haben –baileys sei dank, die uns die neu von ihr designten „Richtung G-Shirts mitgebracht hat“ – was Trockenes zum Anziehen.

Intro, Morning sun, ein wahnsinnig intensives „Not the Only One“ – diese Mimik von Thomas - er lebt diese Musik fast unvorstellbar intensiv. Und das ist von vorne auch unglaublich gut zu sehen, vielleicht durch die Nässe und das Warten noch intensiviert! Ich habe wirklich noch kein so wahnsinniges Konzert erlebt wie dieses! Thoma, Tanzen und Abrocken bis zum Umfallen. Aussen nass und innen trocken.

Thomas, der uns bei Autopilot dirigiert, reinlegt und grinst: Nein, die Arme bleiben links, macht was Chefe sagt – und greift nicht selber vor!!

Und dann kommt ein völlig unbekanntes Intro: Ein neuer Song – und die Halle tobt. Füssegestampfe zusätzlich zum Klatschen und Kreischen. Überhaupt, das Konzert kommt mir noch lauter und bejubelter vor als alle vorher gehenden, die Jungs noch spielfreudiger, wirbelnder, intensiver. Intensiv: das ist für mich einfach das Wort des Abends! Schade, dass „Flüchtig“, wie der Song heisst, kein neuer Song sondern nur ein Cover der Fanta4 ist, der aufs Tribute Album zu „20 Jahre Fanta4“ gepackt werden soll – aber auch das ist eine Ehre und das Godoj-zum bejubeln und heulen schön!
Dann folgt Für Immer in der wunderschönen Unplugged Version, dann Autopilot. Der anschliessende Fangesang ist so laute, dass Thomas nicht weitersingen kann – Daniel und René stimmen instrumental ein, verbinden sich mit den Fans, was für eine Party! Ich werde zwar trocken und warm, heiss gar, schmelze dafür… Das wirkliche Gewitter findet hier im Zelt statt, nicht draussen!
Das Konzert peitscht voran. Liebe zur Sonne wurde bereits gespielt – aber Explosion nicht? Schade! Aber es kommt doch, als Zugabe sogar! Explosiv, intensiv. Fragt mich nicht nach Reihenfolgen, Schuhen Kleidungsstücken oder Namen – ich bin noch im Thoma und eine kleine Stimme singt weiterhin: „Ich bin Godoj, Godoj, Godoj…“ Wann ist das nächste Konzert?“

Das Konzert ist um, die drei! Zugaben gespielt (Explosion, Helden gesucht, Let it Be), die Kleider motten feucht vor sich hin, die Jungs wollen wieder einmal nicht von der Bühne – so sieht es jedenfalls aus – und wir hätten sie lieber auch nicht gehen lassen. Wir fliegen noch immer, diese kleine Stimme in mir singt noch immer und immer weiter... Danke Jungs für ein unvergessliches Konzert, danke Mädels für einen unglaubliche Swiss Thomatoes Tour!

Nachtrag: Fast zu Hause ein sms von Anina: "Du glaubst es nicht: mir gegenüber im Zug sitzt einer mit einem Shirt, da steht drauf: "Schöner wohnen für Tomaten - ein Ketchup Shirt…


Isabelssss

Veröffentlicht in SOMMERGIGS 2009

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Maennike 07/08/2009 10:41

Hey Isa, das ist mal wieder ein toller Bericht! Du beschreibst so richtig anschaulich, wie wir wohl fast alle empfunden haben. Danke!