Thomas Godoj LIVE und unplugged, Hard Rock Café Köln, 04.04.09

Veröffentlicht auf von Thomas Godoj LIVE Blogger

Der beste Platz ist immer an der Theke…(Ton Steine Scherben)

Im Hard Rock Café stimmte das so nicht, denn die Sicht war an allen Stellen bis auf die ersten beiden Reihen mehr als bescheiden. Visuell war es also kein Highlight, dafür hätte das was sich vorne auf der Bühne sozusagen im Verborgenen abspielte nicht interessanter klingen können. Zunächst einmal waren da ja die drei Kardinalfragen: was würden sie in rund einer Stunde für Stücke spielen, wie viele Stücke würden sie spielen und wie würden diese klingen?

Die Spannung wuchs während Sio Steinberger der Initiator des Projekts Erde und Mensch, sein Anliegen und seine Arbeit kurz darlegte und danach zwei seiner Songs präsentiert. Unabhängig von der musikalischen Gestaltung und Qualität des Konzertes, eines war bereits vor Beginn des Konzerts gewiss, durch die Beteiligung von Thomas Godoj & Band an diesem Projekt, dass u.a. die sozialpädagogische Arbeit mit sozialbenachteiligten und straffällig gewordenen Jugendlichen unterstützt, reihte er sich endgültig in die Reihe der Künstler ein, für die Musik mehr  als nur Unterhaltung ist. Musik an diesem Abend war, für die Band und für das Publikum, die perfekte Symbiose von Kunst und sozialem Engagement. Allein aus diesem Grund hat sich der Besuch dieses Konzerts für mich persönlich und sicher für alle anderen Fans eindeutig gelohnt.

Doch zurück zu den musikalischen Fragen des Abends. Die erste Antwort auf unsere Fragen kam in Form einer echten Überraschung. Das Intro klang nach Love is you im Rausch, Thomas Stimme kaum erkennbar, bluesig, die Instrumente setzten dissonant in freejazzartiger Manier ein und glitten dann doch unerwartet geschmeidig in die sanften Klänge von Love is you hinüber. Gekonnte Provokation, ironische Spielerei mit der leicht verdaulichen Kost der Valicon Produktion? Oder einfach nur gelungener Einstieg in ein musikalisch anregendes, interessantes innovatives und künstlerisch anspruchsvolles Konzert?

Begrüßung und warme Worte fielen teilweise gewohnt unbeholfen, aber sympathisch bodenständig aus. Auch wenn seine rhetorischen Unsicherheiten für mich persönlich auch Charme besitzen, wäre zu diesem besonderen Anlass eine kleine vorbereitete Ansage möglicherweise angebrachter gewesen. Anderseits schmälert dieses Detail in keinster Weise die Qualität des Konzertes. Lediglich die Außenwirkung gegenüber Nicht-Fans unter den Zuhörern könnte darunter etwas gelitten haben. Die Presse schien leider ohnehin kaum von diesem Event Notiz nehmen zu wollen, vielleicht weil es nicht in das Klischee des Superstar-Gewinners passen mochte, so wie der ganze Mensch Thomas Godoj sich zunehmend diesem Schubladendenken entzieht?

Der zweite Song To young to grow old wurde schon bei der Aufnahme des Unplugged Sets der Platinedition des Plan A Albums in einer Akustikversion aufgenommen, aber letztendlich nicht veröffentlich. Für Liebhaber des Songs sicher ein Leckerbissen, für den regulär eher weniger begeisterten Hörer kam der Song im Intro wie ein nicht eingelöstes Versprechen daher, so außergewöhnlich und schön, das man von einem ganz anderen Song zu träumen begann, bis die ersten Töne der gewohnten Melodie erklangen. Wie von selbst stellte sich bei diesem Song jedoch sogleich diese kuschelige Konzertatmosphäre ein, bei der die Arme automatisch ins Schwenken geraten und an ein paar Stellen verbessert diese Version die Qualität des Songs tatsächlich um einiges.

Mit dem als unplugged Song etabliertem I don’t feel the same begangen die letzten Reste der anfänglichen vielleicht gezielt provozierten Fremdheit dahin zu schmelzen. Der Song ist einfach ein sehr schöner Akustiksong, mit viel Gefühl und Verve von Thomas gesungen und von René stimmlich in den Höhen souverän unterstützt. Die Atmosphäre war nun warm und weich und das wurde auch treffend von Thomas so kommentiert. Ich persönlich wechselte einen Platz nach hinten und konnte mich erstmalig während eines Thomas Godoj Konzerts an meinen Mann lehnen. Das war auch gut so, denn als der nächste Song angekündigt wurde, der zunächst im Intro aber völlig unkenntlich blieb, um sich dann in eine absolut gänsehauterregende Akustikversion hineinzusteigern, brauchte ich Halt, denn mir blieb vor Begeisterung die Luft weg.

Morning Sun in der unplugged Version wurde nicht mehr als energiegeladene Antreiber und Konzert-Opener gespielt, sondern als ein schwebend tanzender Rhythmussong, der voller Wechsel und Variationen in Tempo und Melodie zum Mitgrooven einlud.

Dennoch war es erst der nächste Song, der wieder so etwas wie einen Galoppsprung in meinem Herzrhythmus zu erzeugen vermochte. Meine Zweifel, ob so ein rockiger Song wie Alles was nicht existiert, in einer Akustikversion wirken könnte, stellte sich als völlig unberechtigt heraus. Das Stück welches für mich bisher besonders von der Energie gelebt hatte, die laute Stromgitarren auszulösen vermögen, gewinnt in dieser Version deutlich an Tiefe und Gefühl und verliert dennoch nicht an Dynamik. Natürlich würde ich jederzeit wieder zu der Originalversion abrocken, aber dieser Song, in dieser von René so fantastisch neuarrangierten Version, vermag tief in der Seele zu berühren.

Überhaupt gilt René Lipps mein ganz besonderer Respekt und Dank, denn er war es, der zusätzlich vier Songs zu neuen Akustikversionen umarrangierte und somit dafür sorgte, dass Thomas und Band uns an diesem Abend diese glitzernden musikalischen Edelsteine schenken konnten. Und noch schöner finde ich es, dass wir das ganze Konzert dank Concert online nun so oft genießen können wie wir möchten.

Der Applaus nach dieser sicherlich denkwürdigen Performance des ersten eigenen Bandsongs war lang und warm und Thomas machte in seiner Verlegenheit gleich einem Scherz auf eigene Kosten. „Wollt ihr Mitsingen? Ich glaub ich kann den Text nicht?“ Dieser Kommentare und das dazu erklingende Lachen erinnerte mich direkt daran warum mir dieser Mann so unglaublich sympathisch ist. Und prompt lieferte er im Hard Rock Café eine völlig souveräne und mitreißend emotionale Interpretation von When the Tears are Falling ab, die für mich persönlich die romantischste unplugged Rockballade des Abends war, denn ich musste nach der Hand meines Mannes tasten und hatte eine klitzekleine Träne der Rührung im Augenwinkel.

Obwohl es ja nun keinen Umbau zu Überbrücken galt, wurde doch gute fünf Minuten gewohnt kreativ mit Drummer-Torsten, Didgeridoo-Tom, Bodypercussion-Thomas und dem wie immer aktivierten klatschenden Publikum improvisiert und gezeigt, dass Musik einfach in allen Poren des Thomas Godoj und seiner Bandkollegen steckt. Meinen Mann, den großen Skeptiker, hat der DSDS-Gewinner spätestens damit als Vollblutmusiker überzeugen können. Und damit hat er wiederum auch mich glücklich und zufrieden gemacht. Schön, dass dieser musikalisch höchst innovative und kreative Teil einfach zur Show gehört wie jeder gesungene Song auch.

Doch dann wurde es wieder sehr emotional für mich. Liebe zur Sonne eines meiner erklärten Lieblinge auf der Setlist, kam mit einem faszinierend schönen und innovativen Intro daher. Und der Gesang, zum Teil nur unterstützt durch Daniels sensibles Piano- oder durch akustisches Gitarrenspiel, erlangt eine ganz neue Dimension.  Der Song der sonst durch unglaublich pulsierende, sich aufbäumende Leidenschaft, durch aggressives Flüstern und Aufschreien, durch scharfe Tempowechsel, krachende Stromgitarrenriffs mitreißt, überzeugt nun durch Melodik, weiche sanft klagende Intonation und warme atmosphärische Klänge. In mir begann alles zu vibrieren und gerade wollte ich mich von der Stimme und der Musik davon tragen lassen als ein Zwischenfall mir meine Konzentration raubte. Dafür war mein Mann mal wieder im ärztlichen Notfalleinsatz und zu dem noch im Backstage-Bereich, als die Band nach einer wirklich sehr schönen Performance von Let it be die Bühne verließ. Wie ungerecht, ihn hat das denkbar wenig beeindruckt, Backstage sei es aber klein und eng, war nur sein Kommentar.

Vielleicht kam die Band deswegen nach ausgiebigen Zugabe-Rufen und Woohoos doch relativ schnell wieder hinter der Bühne hervor.  Nachdem der Manager des Hard Rock Cafés eine kleine launige einstudierte Rede gehalten hatte und Thomas ebenfalls mit seiner üblichen rhetorischen Improvisation seinen Redebeitrag geleistet hatte, „Was ist besser Gewalt oder Musik, Drogen oder Musik?“, konnte Sio Steinberger und seinem Projekt für sozial benachteiligte Jugendliche stolze 10000 Euro Spenden überreicht werden. Dieser bedankte sich sichtlich erfreut herzlich bei Thomas und seinen Fans. Positiv ist sicherlich auch die Zusage von Thomas hervorzuheben, solch ein Benefiz-Konzert jederzeit wieder geben zu wollen.

Schließlich seinen Charme gezielt einsetzend, kam dann die rhetorische Frage von Godoj: „Ich frag mal so, möchtet ihr noch einen?“ Vorauf eine wie immer wunderschöne Version von Autopilot folgte, in die man sich einfach reinfallen lassen konnte, mit der man Abheben konnte und einfach fliegen wohin und solange einen der Himmel trug. Schade nur, dass kaum ein Blick auf den schwebenden Thomas und seine Crew zu erhaschen war, aber mitgeflogen bin ich trotzdem.

Zum Ende dann noch eines seiner Kommentare, die wieder so liebenswert und passend sind. In der Ansage zu Helden Gesucht nannte Thomas, seine Fans, seine, und ihrer aller Helden, weil sie bereitwillig für diesen guten Zweck gespendet hatten, um ihn und die Band spielen zu sehen. Damit schloss sich der Kreis, Helden Gesucht – Helden Gefunden, von beiden Seiten. Doch auch, wenn das Wort Helden hier und zu anderen Gelegenheiten immer wieder eine große Rolle spielt, so geht es in Wahrheit glücklicherweise in der Regel nicht um blinde Heldenverehrung, sondern um Kunst mit menschlichem Anlitz oder schlicht um Menschlichkeit.

Im Resumé lässt sich sagen, dass Godoj und Band in der kurzen Zeit seit dem Ende der ersten erfolgreichen Tour noch nichts verlernt haben, sondern zeigen konnten, dass sie musikalisch noch weit mehr können als richtig abzurocken. Mit den akustischen Versionen, der im Original sehr rockigen Stücke wie Für Immer, Alles was nicht existiert, Liebe zur Sonne und auch Morning Sun erzeugten sie eine emotional intensive, dynamisch dichte und warme Atmosphäre ohne jemals ins Seichte und Dröge abzugleiten.

Manchen sogar schienen die Versionen noch zu rockig, noch zu laut und zu heftig. Andere hatten auch einfach eine gänzlich andere softere Songauswahl erwartet. Zudem blieb auch der Wunsch unerfüllt, den WINK-Song Winterkinder zu dieser günstigen Gelegenheit erstmalig von Thomas und seiner Band zu hören.

Demnach konnten von Thomas und seiner Band nicht alle Fanwünsche restlos erfüllt werden und trotzdem war das Benefiz unplugged Konzert im Hard Rock Café am 04.04.2009 aus meiner Sicht mehr als ein voller Erfolg. An diesem Abend vor 250 Zuschauern wurde auch für Skeptiker wie meinen Mann deutlich, dass da einer nicht nur gekommen war, um eine Unterhaltungsshow zu gewinnen, sondern um sich dauerhaft seinen, ihm in der Musikwelt zustehenden, Platz zu sichern.

Für mich persönlich war dieses Konzert der Höhepunkt eines traumhaften und ganz besonderen Tages, der mir FÜR IMMER UNVERGESSLICH bleiben wird. Danke Thomas Godoj & Band, danke an alle, die diesen Tag für mich verzaubert haben.

Copyright by Salma69

Veröffentlicht in HARD ROCK CAFE

Kommentiere diesen Post