Thomas Godoj LIVE in Recklinghausen, 13.03.09. Das letzte Mal - oder Godoj auf dem fliegenden Teppich

Veröffentlicht auf von Thomas Godoj LIVE Blogger

Donnerhall. Applaus. Ein Stimmenmeer aus Kreischen und Jubel: Das letzte Mal auf dieser Plan-A-Tour ertönt das Intro, klatscht und tobt das Publikum in Recklinghausen in der ausverkauften Vestland Halle. Unten ein Meer an Köpfen und Händen, oben auf der dicht besetzten Galerie, die die ganze Halle umschliesst, ebenfalls. Willkommen daheim in Recklinghausen, Jungs, dort wo die Tour im Dezember begonnen hat, dort wo der Sieg bei DSDS gefeiert worden ist, dort wo ein Teil der Band bereits früher Musik gemacht hat! "Heimat!", ruft Thomas Godoj und die Halle bebt.

Ich habe Glück gehabt und einen Platz vorn links ergattert, nicht weit von Sebastian Netz und durch erhobene Hände, Kameras und Köpfe hindurch ist immer wieder der Blick frei auf die Gesichter der Bandmitglieder, auf das Gesicht von Thomas, der auch hier in Recklinghausen beim letzten Tourauftritt mal hier und mal dort ist, eigentlich überall. Der hat Feuer unter'm Hintern - und das nach 36 Konzerten. Natürlich ist nicht nur die Heimat hier. Auch viele Fans - Wegbegleiter, wie Thomas sie einmal genannt hat - die mehr oder weniger Konzerte der Tour begleitet haben. Noch einmal haben sie sich zum Abschluss hier eingefunden , um Thomas und die Band noch einmal zu feiern, um mit ihnen zu feiern. Und genau das tun sie auch: Die Jungs auf der Bühne, die Fans unten. Morning sun, Not the only one, to young to grow old, Summer breeze. Aber auch Freunde und Familie sind hier vor Ort dabei: Jenni, Thomas Partnerin unten in der Halle, Jonas der Ziehsohn oben auf der Galerie. Ein besonderer Anlass, ein besonderes Publikum.

"Recklinghausen. Ich bin wieder da" ruft er mit ausgebreiteten Armen in den nicht enden wollenden Jubel hinein. "Es sind so viele bekannte Gesichter hier. Das ist schon was anderes." Ob das beruhigt oder nervös macht? Wer kann das schon sagen? Thomas und Band gehen mit Spielfreude aber professionell durch das Programm. Auch daran merkt man die 36 Konzerte: Die Band ist aufeinander eingespielt, die Ansagen professioneller aber deswegen nicht weniger persönlich geworden. So persönlich wie der immer wieder - auch in Recklinghausen - geäusserte Dank an die Fans: Für diese Chance, die er erhalten hat und für das mit Platin und Echo ausgezeichnete Album. Erst erfolgt der Dank in Worten, dann mit dem Song Plan A, und später mit dem bejubelten Akustik-Set.

Zuvor aber noch ein paar Knaller: Liebe zur Sonne, da geht im Publikum die Post ab, aber hallo! Dann Für Immer, das René für seine Tochter geschrieben hat, und bei dem Thomas sicher auch an die kleine Lynn denken muss, wenn er es singt. Aus dem Publikum hat er einen Babybody zugeworfen bekommen: "Mamas, Papas und Jonas Sonnenschein" steht darauf, wie er vorliest- da steht Thomas Godoj nicht das einzige Mal an diesem Abend das Wasser in den Augen, als er sich bedankt. I surrender - singen Thomas, Band und Fans dann, und es hat tatsächlich etwas von "aufgeben und sich hingeben", wie die Halle zusammen feiert und kocht, und schliesslich in die von Thomas eingeforderte Stille hinein mit ein paar Schlägen explodiert. Nein, da war der Donnerhall des Intros nichts dagegen.

Der Song Explosion ist nicht mehr zu vergleichen mit dem entsprechenden, früheren Wink-Song. Was da auf der Bühne und im Publikum abgeht, berührt, reisst Hände in die Höhe, und mündet fast unheimlich zum Ticken Hunderter gereckter Hände "Tick Tack, Tick Tack, ich hab Euch was mitgebracht."und in einem dröhnenden letzten Knall. Was hat es zuvor Diskussionen gegeben, ob dieser Song auf einem Konzert spielbar sei! Die entsprechenden nachdenklichen Worte folgen vor Beginn des Akustiksets: "...bittere Wahrheit! Ich denke, dass solche Sachen wie Explosion in der heutigen Gesellschaft ansprechbar sein sollten und darum machen wir das! Drücken ist nicht drin!" Die Worte werden deutlich von Fans und Recklinghäusern beklatscht. Musik darf und soll eine Botschaft haben, und da vorne spricht jemand glaubhaft, betroffen und mit Überzeugung.

I don't feel the same - dieser gerade in Akustik-Version ebenfalls sehr berührende Song, lässt alle wieder ankommen. Und im Anschluss wird Autopilot kommen - ebenfalls unplugged neu arrangiert, mit dröhnendem, klagendem Didgeridoo, mit Thomas, der von oben auf der Bühne hunderte, nein sogar tausende Hände zu einem wogenden Meer dirigiert. Zu einem Tanz, zu einem Miteinander. Auch dies jetzt, hier, ein letztes Mal für lange. "Wir träumen gemeinsam vom Fliegen", sagt Thomas da, zaubert einen Zauberteppich herbei, mit dem er über die Menge der Fans surfen möchte. Und während wir in unserer Ecke noch ungläubig die Köpfe schütteln und lachen ob dieses Einfallsreichtums, und die Köpfe recken, um auch nicht zu verpassen, was da auf der anderen Seite abgeht, da ist er auf seinem Zauberteppich schon unterwegs. Im Schneidersitz. "Seid ihr mit mir?" ruft er und "Gut so!" Dann: "Die Männer, wo sind die Männer?", das klingt schon leicht nervös, er wird doch nicht etwa kippen und kentern? So wackelig hat er es sich dann vielleicht doch nicht vorgestellt. "Schön festhalten, Leute!" ruft er ins Lachen, Kreischen und ein Meer blau glitzernder Kameras, denn wie konnte man es auch anders erwarten, das Meer der Frauen ringsum hat nicht nur schwächere Oberarme, als die Männer, die er sich herbeiwünscht, sondern hat auch im Dutzend nach den Kameras gegriffen, um diesen unvergesslichen Moment - mit oder ohne Absturz - für die Ewigkeit, die Daheimgebliebenen etc. aufzuzeichnen. "Zurück, zurückzurüüück!" ruft Thomas Godoj, begleitet von einer die Richtung zur Bühne weisenden Handbewegung ? und landet, bevor er noch am Ende der Halle in eine Besenkammer abtransportiert werden kann, endlich Füsse voraus wieder genau dort auf der Bühne. Bilde ich es mir ein oder sieht er erleichtert aus? Ich wünschte im Nachhinein, ich hätte während der Aktion zur Bühne geschaut und die Gesichter der Bandmitglieder gesehen, aber ich habe nicht einmal daran gedacht ;-) Ich habe mir übrigens sagen lassen, dass Thomas ganz schön schwer gewesen ist. Die Halle jedenfalls scheint sich die Erleichterung ob des verhinderten Absturzes des Sängers von der Seele zu brüllen "Wir sind schon längst unterwegs, schalten auf Autopilot, und fliegen von hier fort!!!"

Der anschliessende Jubel will auch diesmal nicht enden - das ist wohl noch immer die Erleichterung und verhindert im Wechselspiel von Seven Nation Army und Wooohooo fast wieder, dass "When the tears are falling" übehaupt beginnen kann. Thomas steht vorne, schlägt sich aufs Herz, zupft an seiner Mütze und strahlt verlegen, dann zuckt er die Schultern. Seine "Schluss"-Bewegungen mit den Armen werden nicht beachtet. Keiner will, dass hier Schluss ist. Der Applaus setzt sich durchs Didge-Drum-Solo hindurch fort und begleitet auch noch die virtuellen Bälle, mit denen Godoj auf der Bühne spielt, sie abwechselndins Publikum oder die Galerie wirft und wieder auffängt.

Und ab da kulminiert es nur noch: Alles was nicht existiert, der im Tourbus entstandene erste wirklich eigene und gemeinsame Song der zusammengewachsenen Band - Recklinghausen singt textsicher mit. Chasing Cars, diese emotionale DSDS-Hymne, mit der Thomas Godoj diesen Schritt Richtung eigene Tour unaufhaltbar in Gang gesetzt hat, soll jetzt das letzte Mal gesungen werden - denn es sei ja nicht sein Song. Aber schön ist er und emotional, gesungen von Thomas. Ich werde ihn vermissen. Gleich im Anschluss Love is you. Thomas turnt direkt vor uns mit leuchtenden Augen und heftigem Kopfnicken am Gestänge zur Empore - alle singen mit, emotional berührt, denn auch dieser Song stand als DSDS-Finalsong am Anfang dieses unvergesslichen Jahrs. Dieses Lied kennt jeder und kitschig wie es sein mag, live gesungen am letzten Tag der Tour hat es etwas, was nicht nur Feuerzeuge und Leuchtstäbe zum tanzen bringt, sondern auch einigen die Rührung in die Augen treibt. Denn die Tourerfahrenen wissen: Jetzt, als Letztes, kommt mit Suspicious Minds der letzte Song.

Mein Gott, das soll es gewesen sein? Die Mitglieder der Band werden vorgestellt, bejubelt und beklatscht, rocken die Bühne mit diesem Klassiker in Grund und Boden. Ob den Musikern auf der Bühne da schon die eine oder andere Träne in den Augen stand? Nach ihrer ersten grossen, gemeinsamen Tour - die letzte wird es ja wohl nicht gewesen sein ;-) Wer weiss. Die Zugabe-Rufe und Fangesänge tosen durch die Halle, nur, hoppla, der Applaus ist auch schon mal stärker gewesen. Ob das die Band backstage bemerkt? Das Publikum jedenfalls hat keine Zeit für feuchte Augen, und eben auch nur bedingt freie Hände zum Klatschen, denn jetzt werden hunderte vorbereiteter Zettel hervorgekramt. Schnell, bevor die Band noch einmal auf die Bühne kommt und Urke anstimmt, als erste Zugabe.

Ein Meer aus mit beiden Armen nach oben gehaltenen einfachen Zetteln: DANKE, steht darauf. Und so einfach es ist, es sagt alles! Danke allen, die sie von zu Hause mitgebracht haben, danke den fleissigen Kopierern, danke allen, die vor und in der Halle noch Zettel verteilt und nichts ahnende instruiert haben. Wie könnte man schöner und eindeutiger Danke sagen als mit diesem Meer? Einer um den anderen kommen sie wieder auf die Bühne: Daniel zuerst, um mit seinem Ferrari unter den Keybords das Intro zu Urke zu starten. Er sieht das Zettelmeer, schüttelt nur den Kopf. Dann Sebastian, Bonny, René, Tom und Torsten. Als letzter Thomas, der auf die Bühne kommt. Was muss das für ein Anblick gewesen sein!? Die Gesichter der Jungs, ihr Kopfschütteln und Grinsen waren ein Anblick für sich. Noch bevor Urke ganz fertig war, ist Thomas links im Backstagebereich verschwunden - sicher, um sich die Augen zu wischen und sich wieder zu fassen?

Ja, auch mit einem Zettel in der Hand kann man gut abrocken, nur das Mitklatschen fällt schwer, und deswegen geht es bei Helden gesucht wieder ohne Zettel weiter. Auch da ist Thomas plötzlich fort von der Bühne, aber nicht in den Backstagebereich, sondern er ist durch die Halle gerannt nach hinten zur Rollstuhltribühne, um auch dort viele Fans glücklich zu machen, indem er einen Teil dieser Hymne mit ihnen zusammen singt. "Helden gesucht!" ruft Thomas wieder vorne von der Bühne - und möchte es nachgesungen haben, aber: - "Helden gefunden" singt die Masse fast einstimmig. So will er es nicht, aber es ist nicht mehr aufzuhalten, schon gar nicht an diesem letzten Abend der Tour. Es mag ihn irgendwie auch befremden, fast ein bisschen nerven - und doch, seine Blicke nach oben zur Empore, wo seine Freunde und Bekannten stehen, verraten eine weitere Regung: es ist auch für ihn ein besonderer, sentimentaler Abschied, der sich in einer hüpfenden, singenden Masse mit hochgereckten Armen aufgelöst.

Dann bei Let it be das letzte Wooohooo der Tour - mit Bandbegleitung, Tom an der Luftgitarre, wie verrückt am Headbangen, Renés nächste Gitarre wird zerlegt - "He, auf was willst Du denn neue Songs zusammenzupfen?", möchte man fast rufen? Erschöpft, schweissgebadet und glücklich - oben wie unten. Noch einmal abrocken - da bleibt auch im Publikum keiner stehen. Ein Meer winkender emporgereckter Hände, die zerbrochene Gitarre findet neue Besitzer, die Drumsticks, Plektren, sogar die berühmte Packung Prodomo-Kaffe von Daniels Keyboard. Und Toms Handtuch.

Letztes Winken, Jubeln, Klatschen, dass muss eine ganze Weile gedauert haben und war doch um wie nichts, da werden wir schon von der Lautsprechermusik nach draussen gekehrt, hinüber zum ehemaligen Paulaner, wo die Tour vor rund 3 Monaten, am 4.12.08, begonnen hat, zur Aftershowparty: Abrocken ohne Ende, mit vielen glücklichen, sentimentalen aber gut aufgelegten Gleichgesinnten. - Und irgendwo hinter einer Wand von Menschen müssen wohl noch Thomas Godoj, die Jungs der Band, Luxuslärm, Marnie, die Presse und wer weiss noch was und wer gewesen sein. Eine tolle Nacht, ein toller Abschluss.

Danke ThomasSebastianTorstenBonnyDanielRenèTom!!!!

Und nach diesem vorläufigen Abschluss einer unvergesslichen Tour, freue ich mich auf das, was als nächstes kommt! Denn das war noch lange nicht alles. Das war nur der Anfang. Und wir Glücklichen waren dabei.

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Veröffentlicht in FANS SCHREIBEN

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petrah 04/07/2009 22:28

Besser hätte man den Verlauf der Tour - das Konzert - sicher nicht beschreiben können. Allein beim Lesen werde ich zwischen: lachen, weinen, innerlich klatschend und hüpfend, hin und her gerissen. Noch nie hat mich ein Künstler so bewegt, eine Band so in ihren Bann gezogen. Und wenn man Berichte von anderen liest, so scheint es sehr vielen so zu ergehen. Das kann gar nicht aufhören, denn wer möchte schon darauf verzichten, Gefühle so komprimiert zu erleben - so intensiv zu spüren. Grönemeyer hat einmal gesagt, er macht CDs nur, um wieder auf Tour gehen zu können. Ich glaube bei Thomas ist/wird es nicht anders sein, denn wenn ich die Lieder von der CD mit den neuen Versionen vergleiche, live und/oder unplugged, das ist erst "richtige Musik" - lebendig, erlebbar - unglaublich aussagekräftig. Diese Energie, die Freude am gemeinsamen Schaffen,gebündelt mit reichlich Potenzial - das kann nur vorwärts gehen.

marlischen 03/28/2009 18:27

Also dieser Konzertabschlussbericht aus Recklinghausen hat mich wieder sehr bewegt. Ich selbst war in Berlin und bei diesem letzen Konzert dabei und fand die Stimmung des Publikums grandios.
Die Highlights dieses letzten Konzertes waren der Auftritt von Thomas (Teppichaktion), Helden gesucht bei den Rollstuhlfahrern, sowie die letzte Zettelaktion bei Urke. Also besser hätte man dieses Konzert nicht kommentieren können. Ich kann nur sagen "Mach weiter so, Thomas" - wir wollen noch viel mehr von dir hören!!!