Thomas Godoj LIVE in Halle/Westfalen, 23.12.08 - Ansichten eines Fans

Veröffentlicht auf von Thomas Godoj LIVE Blogger

Über Recklinghausen am 6.12.2008 ist kein Bericht entstanden und auch aus Köln am 11.12. gab es keinen Bericht von mir.  Halle 23.12.08, würde es dieses Mal einen Bericht geben? Würde ich bei diesem  Konzert endlich an das unvergessliche Gefühl von Essen anknüpfen können. Würde ich diesmal von bösen Blicken, Schimpftiraden und flüchtigen Kameras verschont bleiben? Würde der vorweihnachtliche Ausflug, der mit leichtem Stirnrunzeln der Familie abgesegnet worden war,  sich als würdiger Ausklang einer bisher nicht ganz unbelasteten Plan A - Tour erweisen? Oder würde ich wieder leicht enttäuscht meiner Wege gehen?  Nicht weil die Band nicht gut war und Thomas nicht alles gegeben hätte, sondern nur, weil das Gelingen eines optimalen Konzertabends von zu vielen Faktoren abhängt.

Der Anreiseplan klappte wie am Schnürchen und schon gegen 15.30 Uhr waren wir in unserem netten Hotel, ein angenehmer Spaziergang durch die weihnachtlich geschmückte und sehr ansehnliche historische Altstadt Halles brachte uns rechtzeitig in ein warmes überdachtes Warteareal, wo wir von mini1971 und vielen anderen bekannten lieben Gesichtern unglaublich nett in Empfang genommen wurden. Das Warten war angenehm und lustig, ein Plausch hier, Gelächter da, es war fast wie auf dem Pausenhof nur, dass drinnen kein gestrenger Lehrmeister wartete, dachten wir. Das sollte sich ja spätestens vor< LIB>  als Irrtum herausstellen,  wo uns der Meister ganz streng zum Stillsein anhielt, aber auch die Hüpforgie vor < LZS>  hat mich an so manchen anstrengenden Sportlehrer erinnert, aber das nur so am Rande.

Irgendwann öffnete sich tatsächlich als erstes der Eingang vor uns und ohne große Verzögerung kamen monster und ich durch die Absperrung, fest an den Händen und mit der Ermahnung der Security Lady ja nicht zu rennen, gingen wir 2-3 Schritte in gesitteter Manier, um dann spätestens im Gang in einen Laufschritt zu verfallen, der einem Schweinsgalopp nicht unähnlich sah, nehme ich an. Kurz vor der Halle stand wohl Tom Fronza und monster bremste ein wenig ab, um die Würde zu wahren,  aber ich bekam nix mit und weiter ging es nach vorne und ja ich konnte es nicht glauben,  zwar ganz links vor der Box,  aber in die 2. Reihe. HURRA!!! Hier würde ich bleiben, genau vor Sepp und mit Blick auf die gesamte Bühne, fantastisch.  Andere neben uns schienen nicht zufrieden, naja gegen die erste Reihe, sieht man in der zweiten natürlich rein gar nichts. 

Nun begann das lange Warten, ein paar Zartbesaitete kippten schon um und wurden von umsichtigen Sanitätern rausgebracht. Überhaupt waren die Sanitäter unheimlich nett und auf Zack, frei nach dem Motto Prävention ist besser als Lamentieren schenkten sie während des gesamten Konzerts Wasser aus und waren ständig sichtbar. Was sich allerdings vor unseren Augen im und vor dem Graben abspielte, erinnerte eher an ein Detlef Jöcker Konzert denn an ein Rockkonzert. Unmengen von Kindern zwischen geschätzten 4 und 14 Jahren wurden von ihren Eltern zum Teil genötigt sich in dem Graben zwischen Bühne und Absperrung zu platzieren. Gute Idee eigentlich, wenn es bei den üblichen 5 Kindern geblieben wäre, aber es waren mindestens 5x so viel. Meine Befürchtung hat sich ja dann auch bewahrheitet, Thomas wollte wie üblich in die Menge, die vorderen Reihen abklatschen, aber er konnte nicht zu uns, denn die zunächst sitzenden dann recht hilflos herumstehenden 20-30 Kinder im Graben hinderten ihn leider daran. 

Auch die längste Wartezeit hatte einmal ein Ende und plötzlich begann das Intro, dass mich dieses Mal sofort elektrisierte. Es ging los und wir standen ganz vorne mit dabei. Wir Drei rockten von Anfang an richtig mit.  <Morning Sun>  ist und bleibt live der ideale Opener.  Ja, ja, bei  <Not the Only One>  wünscht man sich, es handele sich um einen echten Rocksong,  <To young to grow old>  mag ich eigentlich vom ganzen Album sowieso am wenigsten, obwohl die Frage von Tom, wer sich denn wohl alt fühle immer sehr nett ist und meine Antwort, nur morgens vor dem Spiegel,  auch einen kleinen Lacher zumindest bei mir verursachte.

In Erinnerung blieb mir auch eine tatsächlich ältere Dame um die sechzig und elegant gekleidet, die ich vorher schon bemerkt hatte.  Als der Song <TYTGO>  gespielt wurde, drehte ich mich zufällig um und sah diese Dame an, die sich glücklich im Rhythmus der Musik wiegte und mitsang und als ich sie darauf hin anerkennend anlächelte, lächelte sie nett zurück. Bei  <It’s beautiful>  hörte man dann zum ersten Mal so richtig wie heiser Thomas wirklich war und, dass seine Stimme wirklich völlig am Limit angelangt war.  Die hohen Töne, die ich noch in Recklinghausen so glasklar gehört hatte, waren einfach weg oder nur ein heiseres Flüstern.  Man sah ihm an, dass er das bedauerte, aber auch, dass er es in dem Moment einfach hinnahm. Das ist der Preis von so einer Rosskur, da kann man gesanglich nicht immer 100% Perfektion bringen. Umso gefühlvoller und ausdrucksstärker schien er dieses Mal den Song zu interpretieren,  der so wenig zu ihm zu passen scheint, aber nun eine echte Rockfassung bekam, kratzig und rauchig eben. Irgendwie hatte er vorher auch etwas gemurmelt, dass so klang als sei mit dem Song das Publikum, die ganze Show oder die ganze Tour gemeint, vielleicht hab ich es mir auch nur eingebildet.

Wie auch in RE und in Köln erwischte mich <Summer breeze>   dann immer so ganz und gar und das Tiefe kam wieder recht stark und souverän aus seinem Bauch heraus.  < I surrender>  kam dann richtig rockig und krachig daher und das gefiel mir natürlich ungemein. Das Bedanken vor <CC>  fiel diesmal glücklicherweise etwas kürzer aus, hatte da etwa die Band einfach angefangen zu spielen?  Nicht, dass ich zu denen gehöre,  die ihn nicht gerne reden hören. Im Gegenteil, mir krümmen sich immer die Zehennägel, wenn wieder jemand meint ihn durch unqualifizierte Zwischenrufe daran hindern zu müssen, sich ein bisschen in seinen Gedankengängen zu verirren und dabei  einen kurzen Einblick in eben diese zu geben. 

Auch hier in Halle gab es diese Situation, wo er darum bat einfach mal Spaß haben zu dürfen beim Reden. Diese Zwischenrufer und auch die anderen Feingeister bitte ich zu bedenken, dass es sich während eines Rockkonzerts weder um einen wissenschaftlichen Vortrag noch um die Nachrichten im ZDF handelt. Daher wäre es sicher von Vorteil sich diesbezüglich einfach mal locker zumachen,  wie wäre es mit einem Video <Hüpf Dich fit mit Thomas Godoj und Liebe zur Sonne>? Nochmal auf das Bedanken vor CC zurückkommend, ich meinte es fiel glücklicherweise kürzer aus, weil ich immer das Gefühl habe, er habe uns ja nun wirklich schon oft genug gedankt und außerdem sei das genau genommen ja gar nicht nötig, denn mir tut es weder um irgend einen vertelefonierten Cent leid, noch um das Geld für CDs,  Konzertkarten usw. Wäre er nicht so saugeil auf der Bühne und auch sonst so sympathisch, wäre er nun nicht da wo er eben ist und hingehört. 

Soviel zu meinen Gedanken zwischen den Songs. Denn dann kam glaube ich <Für Immer>  und da setzt bei mir das Denken dann endlich übergangslos aus und ich fühle nur noch.  Am besten tue ich dies während ich hüpfe und springe, klatsche und sogar headbange bis der Arzt kommt oder der nächste Song. Dieser Song berührt nicht nur, weil von René mit dieser unheimlich authentischen Sprache eine mir vertraute Botschaft transportiert wird, sondern weil der ganze Song genau das ist, was ich mir in Zukunft von Thomas und der Band erhoffe, richtig gute deutsche Rockmusik.  Der Song ist schon von BONK genial, aber Thomas´ Performance, mit seiner Ausdruckskraft gibt ihm den letzten Schliff und das wird noch viel intensiver, wenn seine Kleine erst mal da ist*, you mark my words. (*Die kam ja jetzt am 3.1.09 um kurz nach Mitternacht. Einen herzlichen Glückwunsch hier an dieser Stelle - Anmerkung der Blogger).

Danach hatte ich eine Vision,  in der ich mich in einem Aerobic-Studio befand und Thomas mein Aerobic-Lehrer mit einer Trillerpfeife im Mund war, die Kappe dazu hatte er ja schon an. Ok. Ich sehe es ein für das neue Jahr muss ein neues Fitness-Abo her, sonst kann ich in ein paar Jahren nur noch Sitzkonzerte besuchen. Habe aber wacker mit gehüpft, weil ich mir vor diesem unverschämt körperlich fitten Dreißigjährigen nicht die Blöße geben wollte und weil es tatsächlich so einen tierischen Spaß machte. Achja und weil ich dafür genügend Platz hatte, das war wirklich sehr angenehm wie wir standen und das hinter mir keine Furien lauerten auch.

Der Part wo Thomas uns zum Schulsport animierte über das Anspielen des Blur Songs bis zur Performance von <Liebe zu Sonne>  stellte für mich mal wieder eines der großen Höhepunkte des Abend dar. Ein bisschen scheint es mir als gäbe uns Thomas <Liebe zur Sonne> nur, wenn wir ihn uns verdient haben.  So ein bisschen angefressen verwies er erneut darauf, dass es ja erst mal eines riesigen Medienrummels bedurfte,  um auf diesen Song, auf den wir nun so verrückt sind, aufmerksam zu machen. Aber er wolle es ja nicht verfluchen, nein das wolle er ja nicht. Tja, so ein bisschen scheint er es schon zu tun, aber wer könnte ihm das nicht nachfühlen. 

Zurück zu uns und zur Halle. Die Stimmung war nun bombig und manchmal glitt sie auch aus den Händen unseres Magiers. Einmal als ein Teil des Publikums irgendwie nach der Melodie von <Hölle, Hölle>  sowas wie Halle, Halle anstimmte.  Nee das wollte ich nicht haben, die Jungs glaube ich auch nicht, aber naja,  wenn die Ostwestfalen mal richtig in Fahrt geraten, dann stoppt sie wohl Nichts mehr. In den Reigen der Höhepunkte gehört mit Sicherheit auch noch der polnische Song <Urke>, der seit Essen fester Bestandteil der Setlist ist und das zu Recht. Zwar verstehe ich immer noch nicht was er singt und kann auch nicht wirklich richtig mitsingen, aber meine Arme, oh mein Gott, die schmerzten so gigantisch und trotzdem mussten sie oben bleiben, denn wir sind ja Kämpfer, hat Thomas gesagt, hmhm. 

Dann war da noch der unplugged Teil, der spottet immer jeglicher Beschreibung, nur soviel,  obwohl seiner Stimme bei <WTTAF>  und auch <IDFTS> immer sehr überanstrengt klang, so waren sie trotzdem brillant interpretiert. Es sind auch die Stücke, die ich nie wieder in der Albumversion hören mag, besonders ersteres. Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass es Thomas bei Autopilot gar nicht mehr auf seinem Hocker hielt und er wunderbare La Ola- Wellen mit dem Publikum produzierte und sich so daran freute, dass er uns später bat, dass doch nochmal zu tun, dass sähe ja so unglaublich geil aus. Überhaupt schien er immer mal wieder ungläubig den Kopf zu schütteln über uns Verrückte, schließlich war er ja nur am Singen und die Band am Spielen. Ja Thomas, auch ich kann es manchmal kaum glauben was da so geschieht, wenn Du auf die Bühne gehst, aber so ist es nun mal. Trotzdem denke ich, dass es besser ist, wenn man sich so ein Stückchen dieses Unglaubens erhalten kann, dafür muss man nicht naiv sein, aber es bewahrt einem davor abzuheben. Diese Gefahr sehe ich bisher bei Leuten wie Thomas und bei jedem aus der Band aber überhaupt nicht, also schütteln wir einfach weiter zusammen den Kopf über das was geschieht.

Irgendwann kam ja auch noch <Plan A>  mit dem Ihr seid UNS wichtig! Da möchte ich immer zurück singen „ Ihr uns auch!“.  Aber nicht, dass das mal einer falsch versteht. Und so schnell kam dann schon <Suspicious Mind>, ach nee da war doch erst noch <LIY>  davor, irgendwie wird mitgesungen, das ist eben die erste Single, ach was soll’s. <Suspicious Mind>  ist einfach ein geiler Song und ich liebe es wie Thomas´ Stimme es locker schafft, die des Kings of Rock’n Roll eben mal so einfach zu ersetzten als hätte der Song schon immer nur ihm gehört. Und die Band legt hier noch mal so schön einen drauf und lässt sich genüsslich vorstellen und feiern. Lieb macht der das, der Thomas mit dem Vorstellen und fast vergessen wir den nahenden Abschiedsschmerz. Hoops,  da ist er auch schon verschwunden und die Band hinterher.

Dieses Mal lassen sie uns wieder richtig zappeln und ich erwarte schon halb statt Nikolausmützen, Engelsflügel oder ähnlichen Spökes, nein nicht wirklich. Endlich sind sie wieder da und natürlich kriegen wir nur noch einen Song, wenn wir auch schön mitsingen. Kein Problem, aber Vorsicht, bedenke gut was du Dir wünscht Thomas, denn „die Geister, die ich rief werde ich nun nicht mehr los“ so ging es dem Zauberlehrling und naja sowas in der Art ist ja auch noch unser Thomas.  Jedenfalls fangen die Fans schon an zu singen, bevor er es sich versieht und naja was soll’s, er fällt eben ein und wir singen so richtig schön um die Wette, so dass uns allen Hören und Sehen vergeht. Schließlich dann will Thomas aber mal Ruhe im Saal bevor er den sanften Part von <LIB>  bitte auch gerne alleine anstimmt, um sich dann zu seiner Rockexplosion zu steigern. Richtig ärgerlich wirkt er da, als das Gebrülle nicht aufhören will und sein an die Lippen gelegter Zeigefinger mit <Still> - Rufen quittiert wird. Ja ich gebe zu, ich hab es auch mal gesagt, aber es war auch zu provozierend. 

Dann kam noch was mit Ticktack und mir fiel nur <Explosion>  ein. Hm, ob er da wirklich sauer war? Nein, nein Thomas wir wollen ja gar nicht WINK wieder, wir wollen nur Dich und deine neue Band und die WINK Songs oben drein. Ja, wir sind unersättlich und haben es nicht verdient, weil wir Euch damals nicht kannten. Aber ich schwöre und sicher viele mit mir, wenn es anders gewesen wäre…  Ach vergiss es! Sing das was Du möchtest und die Band soll spielen was ihr gefällt. Aus jedem noch so mittelmäßigen Song habt Ihr bisher das Beste gemacht. Deswegen vertrauen wir Euch und Euren Fähigkeiten und ja auch IHR seid uns wichtig!

Was bleibt noch zu sagen? Dass es rührend war wie plötzlich einige begannen< Last Christmas>  von René zu fordern und er tatsächlich acappela kurz mit uns zusammen sang. Thomas tat leicht beleidigt und verkündete gehen zu wollen, aber das kam natürlich nicht in die Tüte.  Ja und dann war <LIB>  zu Ende und er wollte nicht gehen.

Dieser  Moment wo er die Band bat noch etwas zu spielen, vermutlich eines der neuen Songs die im Tour-Bus entstanden sein sollen, diese sich aber nicht erweichen ließen frühzeitig aus dem Nähkästchen zu plaudern, war der Wahnsinn! Der Moment in dem die Band immer wieder den Song von Blur anspielte und alle Wooohooo intonierten und Thomas weiter auf der Bühne herumfegte und noch mal so richtig losfetzte und sich dann immer wieder verabschiedete und winkte und dankte, bleibt mir unvergesslich im Gedächtnis haften.

Natürlich war auch die Szene mit Tom Fronzas schlafendem Baby und dem ganz leise ein populäres Wiegenlied intonierendem Chor aus ca. 2000 Fans sehr anrührend, aber eigentlich wollte ich in diesem Moment einfach nur noch ein bisschen weiter rocken, nur ein bisschen. Thomas schien es genau so zu gehen, hatte man den Eindruck, obwohl er schon ganz eifrig dem anderen Tom beim Babyschlafenlegen zuschaute und die Finger an die Lippen legte.

Über eine Kleinigkeit haben monster und ich später noch im Hotelbett Tränen gelacht. Es hat vielleicht nicht jeder gesehen, denn es geschah ganz rechts in unserer Ecke. Thomas winkte so und sprang durch die Gegend und schob den Kopf dabei  um die Ecke, um noch mal nach ganz rechts zu winken, da hatte er wohl eine Seitenwand neben der Box übersehen oder als niedriger eingeschätzt „unser Maulwurf“ und hat sich seine Stirn gestoßen. Nicht schlimm, aber die Mimik und Gestik,  die dann folgte war äußerst niedlich und sehr amüsant. Erst zog er den Kopf ruckartig zurück, fasste sich verwundert an die Stirn, rieb diese, verzog das Gesicht zu einer herrlichen Grimasse aus Schmerz, Verwunderung und Belustigung, schüttelte über seine eigene Ungeschicklichkeit resigniert den Kopf und schien dann verstohlen um sich zu schauen, ob sein Missgeschick wohl bemerkt worden war. Das schien nicht der Fall zu sein und weiter ging es mit Winken und Verabschieden. 

Wer sich lange verabschiedet, hat kaum Lust zu gehen. Das merkte man ihm wirklich an, er wollte nicht gehen, er genoss jede Sekunde auf der Bühne als sollte es für immer seine letzte sein. Daran änderten auch die fleißigen Arme in der ersten Reihe nichts, die ihm ein „Bis Februar“ oder ähnliches entgegen schwenkten. Vielleicht hatte er diese Angst wirklich, dass bis Februar irgend etwas geschehen könnte, dass ihn daran hindern könnte wiederzukehren auf die Bretter, die ihm die Welt bedeuten? Und natürlich hat er recht, es könnte etwas geschehen, es kann immer etwas Unvorhergesehenes geschehen und genau deshalb haben auch wir alles genossen und jeden Augenblick  in uns aufgesaugt. 

Was habe ich noch vergessen, dass der Umgang innerhalb der Band sehr locker und offen rüberkam. Dass Thomas einmal den falschen Song ansagte und René dann sichtlich irritiert zwischen seinen Gitarren hin und her deutete, woraus sich ein freundschaftliches Streitgespräch entwickelte, indem Thomas als „unser Maulwurf“ bezeichnet wurde und alle gutmütig lachten, Thomas inklusive. Oder dass Thomas irgendwann den Arm um Sepp legte und sagte, sie würden sich ja nun schon was länger kennen und Sepp nur trocken antwortete <Ach nee?>  und  dabei ins Publikum grinste, nach dem Motto, das sieht doch sowieso jeder. Und Thomas meinte, <Ja wir ärgern uns immer so ein bisschen.>. Worauf Sepp nur den Kopf schüttelte und entgegnete, <Nee, er ärgert nur mich immer.>  dabei grinste er schelmisch und Thomas schüttelte vehement den Kopf.

Alles im allem war es einfach so entspannt und familiär, dass man den Eindruck hatte, eben nicht auf der ersten, sondern auf der fünften Tour zu sein und doch war es so voller Frische, Dynamik, Spielfreude und ungläubigem Staunen, ach und fast hätte ich es vergessen, Überraschungen.  Für mich war es einfach ein Genuss diese neue echte Lockerheit von Thomas beim Reden mit dem Publikum zu beobachten. Allen Kritiken zum Trotz hat er sich nicht verbiegen lassen, auch wenn er angesichts der Masse an Kindern genau vor seiner Nase jegliche Zweideutigkeiten wegließ, aber ich glaube da gibt es einfach bei ihm auch solche Tage und solche, wie bei jedem von uns.

Letztendlich scheint es mir als rede er wie es aus ihm herausbricht, als brauche er diese Zeit, der freien Assoziation von wenigen konstanten Stichworten, um ein Gefühl für seine Stimmung und die des Publikums zu entwickeln, um sich aus den emotionalen Tiefen jedes Songs wieder an die leichte Oberfläche der Bühnenshow zu blubbern, aufzutauchen und wieder zu seiner eigentlichen Persönlichkeit und der aktuellen Situation zurück zu finden, um dann erneut wieder abzutauchen in seine verletzliche Seele, die er durch seine Stimme hindurch schimmern lässt.  Doch in diesem Übergang ist er,  so scheint es, zum Teil sehr verletzlich und das versucht er vielleicht manchmal durch alberne Scherze, Kalauer oder den ein oder andern Tiefschläger zu überspielen, vielleicht auch auszugleichen. Auf jeden Fall sind diese Momente ganz ungefiltert und ein blindes Tasten nach den richtigen Worten. Manche entgegnen, dann solle er lieber Schweigen, aber das ist eben nicht sein Naturell. Er will reden oder er muss reden, dann lasst ihn doch reden.

Schließlich bleibt noch das ungläubige Taumeln der Freude nach dem Konzert, das atemlose, verschwitzte sich von der Bühne abwenden, sich am Getränkestand anstellen, sich begrüßen und sich verabschieden. Die unbeschreibliche Freude über das Erlebte, vermischt mit der Trauer des Abschieds, wenn gerade intensiv Erlebtes zu gelebter Vergangenheit entgleitet. 

Es bleibt auch noch anzumerken, dass beim letzten Konzert des Jahres die geschlossene Band locker und in Plauderlaune hinter und auch vor der Absperrung stand und Autogramme gab, Fotos machte und sich mit den Fans austauschte, über das Konzert, über die Tour usw. Wir ließen den wunderschönen Abend noch in der Hotelbar, bei Pils und Pizza gemütlich und ziemlich ermattet ausklingen. Geisterten im dicksten Nebel durch die Stadt noch zu Fuß nach Hause, weil das eigentlich vom Barkeeper gerufene Taxi nie erschien. Kicherten im Hotelbett noch über dies und jenes und schliefen dann kurz aber erholsam ein.

In meinen Träumen sah ich diesmal nur Thomas und die Band, uns, Thomas, die Band, das Konzert, die Autogrammsession, das Konzert  immer und immer wieder wie in einem Film ablaufen und keine schimpfenden Hexen und keine verlorengegangene Kamera nahmen mir die Sicht und nichts drückte auf meinem Herzen und ich erwachte erst am Morgen mit einem ungläubigen aber glücklichen Lächeln auf den Lippen  und ich wusste über Halle musste es einen Bericht geben.

Copyright by Salma69

Veröffentlicht in FANS SCHREIBEN

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Jimmy 07/07/2009 15:38

Wow salma, welch emotionaler Bericht.Es scheint so als hättest du ganz tief in die Seele von Thomas geschaut, wirklich sehr ergreifend und ganz tief berührend.Habe das Konzert nochmals ganz intensiv durchlebt, wirklich ganz große Klasse geschrieben.
Merci für deine phantastischen Zeilen.
Lg Jimmy

isabels 01/13/2009 21:20

Wunderschön geschrieben. Wunderschön zum lesen und mitfühlen. Wunderschön zum zurückerinnern an eigene erlebnisse und riesig die Vorfreude auf den 2. Teil der Tour, in der Hoffnung, dass nichts, aber auch garnichts dazwischen kommt!!!!

Animagus 01/07/2009 07:02

Vielen Dank für diesen schönen Bericht. Vor allem Deine Beschreibung wie sehr Thomas' "verbale Ausführungen" dazugehören und ihn deshalb zu dem machen, was wir an ihm mögen hat mir sehr gefallen. Ich freue mich auf mein erstes Konzert! Liebe Grüße

Thomas Godoj LIVE Blogger 01/06/2009 20:20

Wow, wie schön! Danke für´ s zur Verfügung stellen! Da mußt ja Stunden dran gesessen haben!!! Danke!